ANZEIGE

Bernd Thielk, geschäftsführender Gesellschafter von willy.tel (r.) und HGV-Geschäftsführerin Isabella Niklas im Gespräch mit BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer (Foto: Marc Hankmann)

BUGLAS Sommerfest 2025

Schleswig-Holstein als Pilotregion für Kupfer-Glas-Migration

Der Glasfaserausbau bleibt trotz der Erfolge der Vergangenheit auch in den kommenden Jahren ein herausforderndes Projekt für alle Beteiligten. "Wir haben 22 Millionen Haushalte in Mehrgeschosshäusern, die mit Glasfaser noch versorgt werden müssen", sagte Theo Weirich, Präsident des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS) am vergangenen Mittwoch auf dem Sommerfest des Verbands in Norderstedt. "Der Ausbau in den Gebäuden sowie die Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze wird uns die nächsten Jahre beschäftigen", so Weirich weiter.

Rückenwind durch Geld der öffentlichen Hand

Den Glasfaserausbau in Gebäuden, also auf der Netzebene 4 (NE4), will in Hamburg Bernd Thielk, geschäftsführender Gesellschafter von willy.tel, forcieren und hat deshalb die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) in sein Unternehmen geholt. Die Konzernholding für einen Großteil der öffentlichen Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg ist vollständig im Besitz der Stadt. "Zusammen mit wilhelm.tel haben wir rund 35 Prozent der Hamburger Haushalte, hauptsächlich in Mehrgeschosshäusern, erschlossen", sagte Thielk in Norderstedt. Mit der HGV könne willy.tel nun schneller ausbauen. "Die Glasfaserakteure waren in Hamburg sehr selektiv unterwegs und haben sich auf lukrative oder im Bestand befindliche Gebiete konzentriert", erklärte HGV-Geschäftsführerin Isabella Niklas die Minderheitsbeteiligung an willy.tel. Der Einstieg der HGV bringt für das Familienunternehmen zwar neue Berichts- und Dokumentationspflichten mit sich, die von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden, aber gleichzeitig eröffnen sich willy.tel auch neue Möglichkeiten, um an Kapital für den Glasfaserausbau zu gelangen, da die HGV mit der Stadt Hamburg im Rücken über Bürgschaften haften kann.

Glasfaser für Helgoland: Planungssicherheit wichtiger als Fördermittel

Ob die Kooperation zwischen willy.tel und der HGV als Beispiel für andere gelten kann, ließt Thielk offen. Das müsse jeder selbst entscheiden. Dass Schleswig-Holstein aber gezeigt hat, wie man Glasfaser ausbaut, steht außer Frage. Dennoch bleibt der Glasfaserausbau auch im Land zwischen den Meeren herausfordernd. "Ein großes TK-Unternehmen wollte Helgoland mit Glasfaser versorgen, hat dann aber doch einen Rückzieher gemacht", nannte Julia Carstens, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, ein Beispiel. Sie begrüßte daher, dass im Koalitionsvertrag der Bundesregierung der besondere Förderbedarf für Regionen mit herausfordernder Topologie oder Besiedlungsdichte festgehalten wurde. Neben Helgoland müssten beispielsweise auch die Halligen mit Glasfaser versorgt werden. "Wir setzen uns dafür ein, dass es genügend Fördermittel geben wird, aber noch wichtiger ist uns Planungssicherheit", sagte Carstens mit Blick auf die in der Vergangenheit jährlich wechselnde Fördersumme des Bundes.
 
Nicht nur bei der Breitbandförderung hofft Carstens, dass Schleswig-Holstein im neuen Bundesdigitalministerium berücksichtigt wird. Für die Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze sei der hohe Norden als Pilotregion prädestiniert. "Die Deutsche Telekom hat hier einen geringen Glasfaseranteil", sagte Carstens auf dem BUGLAS-Sommerfest. Gespräche mit Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, seien hierzu bereits geführt worden.
 
Autor: Marc Hankmann
 

Weitere Webseiten