
Blick in den Verteilerkasten für Fiber Island mit Micro OLT, das bis zu 64 Wohneinheiten mit Glasfaser versorgt (Foto: Vodafone)
ANGA COM 2025
Fiber Island ermöglicht FTTH übers Kabelnetz
Auf der ANGA COM in Köln präsentierte Vodafone Deutschland, wie der Kabelnetzbetreiber sein eigenes Netz auf bis zu 1,2 GHz erweitert, um Wohnungen mit Glasfaser zu versorgen (FTTH). Anstelle von "Points of Presence" (PoPs) und neu aufzustellenden Multifunktionsgehäusen (MFG) greift Vodafone auf die bereits vorhandenen Verteilerkästen zurück. Die Technik nennt sich Fiber Island und wurde zusammen mit dem Systemtechnikspezialisten Harmonic entwickelt. Kernstück ist ein Micro OLT (Optical Line Terminal), das bis zu 64 Haushalte mit einer eigenen FTTH-Leitung versorgen kann.
Fiber Island fußt auf DOCSIS 3.1 Highsplit mit einer Spektrumserweiterung bis 1,2 GHz. Auf der ANGA COM demonstrierte Vodafone über den neuen Kabelrouter Ultra Hub 7 Übertragungsgeschwindigkeiten von rund 2 GBit/s im Down- und 500 MBit/s im Upload. Mit diesen Bandbreiten surfen derzeit 50 Haushalte aus Berlin-Tegel im Internet, die zu Vodafones Pilotprojekt für Fiber Island gehören. Dabei handelt es sich um einen zeitlich und örtlich begrenzten Versuch – eine technische Erprobung ohne kommerziellen Rollout-Plan.
Ergänzung zum Glasfaserausbau
Zwar müssen für Fiber Island entweder Kabelmuffen im Boden vor den Häusern oder die Glasfaserzuführung vom Verteiler bis zum Haus ausgetauscht werden, aber der Aufwand ist immer noch geringer als der Aufbau einer komplett neuen Netzinfrastruktur. Allein die Genehmigung für die Stromversorgung eines MFG kann bis zu 12 Monate dauern.
Schneller soll es mit Fiber Island gehen, wenngleich Vodafone einschränkt, dass die mit Harmonic entwickelte Lösung eher eine Ergänzung zum Glasfaserausbau ist. So eignet sie sich insbesondere für Gebäude ab 20 Wohneinheiten. Ohnehin ändert Fiber Island nichts an den Plänen der Düsseldorfer, den Glasfaseranteil im Kabelnetz zu erhöhen und das Netz weiter zu segmentieren sowie den Glasfaserausbau über das Joint Venture OXG weiter voranzutreiben.
Autor: Marc Hankmann
Claudia Boss-Teichmann 04.06.2025

