
Die Entscheidung der ARD überrascht, zumal der Sender an zahlreichen Feldversuchen zur Einführung von 5G Broadcast beteiligt war, unter anderem in Bayern. Das Bild zeigt die Installation der 5G-Broadcastantenne am Sender Ismaning bei München. (Foto: BR/Manfred Schmitz)
5G Broadcast
ARD entscheidet sich gegen 5G Broadcast
Die ARD wird das neue Rundfunkverbreitungsverfahren 5G Broadcast vorerst nicht einführen, hält sich einen späteren Einstieg aber offen. Diesen Beschluss fassten die Intendantinnen und Intendanten der ARD auf ihrer jüngsten Sitzung in Bremen.
Eine ARD-Sprecherin bestätigte dies gegenüber Cable!vision Europe. "Die ARD hat sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegen eine Investition in die neue Verbreitungstechnologie 5G Broadcast entschieden und hält eine Einführung zum späteren Zeitpunkt weiterhin für möglich", erklärte die Sprecherin. "Die zuständigen Fachkommissionen beobachten weiter den Markt und die diesbezüglichen Entwicklungen."
ARD an zahlreichen Pilotprojekten beteiligt
Die ARD-Entscheidung überrascht, nachdem sich der öffentlich-rechtliche Senderbund in den vergangenen Jahren an zahlreichen Pilotprojekten zur Erprobung der Verbreitung von Fernsehprogrammen und anderen Angeboten über 5G Broadcast beteiligt hatte. Testläufe gab es unter anderem in Sachsen-Anhalt, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
5G Broadcast ermöglicht die Verbreitung von Fernseh- und Radioprogrammen und anderen Medieninhalten über Mobilfunknetze ohne Datenverbrauch beim Endkunden, weil wie beim klassischen Rundfunk ein Signal für alle Empfänger ausgestrahlt wird. Ein Mobilfunkvertrag oder eine SIM-Karte werden nicht benötigt, es reicht ein 5G-Broadcast-taugliches Endgerät, etwa ein Smartphone, Tablet oder Car-Entertainment-System in Fahrzeugen.
5G Broadcast kann auch in der Notfallkommunikation eine wichtige Rolle spielen, etwa bei Stromausfällen oder Naturkatastrophen. Die Ausstrahlungen würden über Rundfunk-Großsendeanlagen ("High Tower, High Power") erfolgen, die in der Regel über Notstromreserven und Dieselgeneratoren verfügen und somit die Bevölkerung über längere Zeiträume informieren und warnen können.
Erste Endgeräte sollen 2028 in Markt kommen
Prototypen von Empfangsgeräten für 5G Broadcast sind bereits verfügbar. Auf dem Fraunhofer FOKUS Media Web Symposium Ende Juni 2025 in Berlin war von Marktteilnehmern zu hören, dass mit ersten regulären 5G-Broadcast-tauglichen Android-Smartphones in der ersten Jahreshälfte 2028 gerechnet wird.
Komplett verschlossen hat man die Türe zwar nicht, doch klar dürfte sein: Die Entscheidung der ARD-Chefs verpasst Hoffnungen, dass 5G Broadcast in Deutschland alsbald eingeführt wird, erst einmal einen Rückschlag.
Autor: Dr. Jörn Krieger
Claudia Boss-Teichmann 02.07.2025

