
Die Glasfaser-Ausbauquote wuchs um 9,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 52,8 Prozent. (Grafik: BREKO)
BREKO Marktanalyse
1,4 Millionen neue Glasfaserkunden
Die deutsche Glasfaserbranche setzt ihren Wachstumskurs fort: Laut der BREKO Marktanalyse 2025 erreicht die Glasfaserausbauquote (Homes Passed) zum 30. Juni 2025 52,8 Prozent – ein Anstieg um 9,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die Anschlussquote (Homes Connected) steigt um 4,5 Prozentpunkte auf 27,3 Prozent, was 12,55 Millionen angeschlossenen Wirtschaftseinheiten entspricht.

Die Glasfaser-Anschlussquote (Homes Connected) ist zwischen 2024 und 2025 um 4,5 Prozentpunkte gestiegen (Grafik: BREKO)
Die Telekommunikationsbranche investierte 2024 insgesamt 15,3 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur. Die Wettbewerber leisteten mit 10 Milliarden Euro den Hauptanteil dieser Investitionen.
Die Telekom-Wettbewerber sind für 59 Prozent des Ausbaus in der Fläche (Homes Passed), 71 Prozent der angeschlossenen Gebäude (Homes Connected) und sogar für 74 Prozent der aktiven Glasfaseranschlüsse (Homes Activated) verantwortlich. Die Kundennachfrage stieg um 1,4 Millionen neue Glasfaserkunden im Jahresvergleich, wodurch die Gesamtzahl der gebuchten Glasfaseranschlüsse auf 6,6 Millionen stieg. Die Take-Up-Rate erreichte 27 Prozent, stieg allerdings im Vergleich zum Vorjahr nur um 1 Prozentpunkt.
Studienautor Prof. Dr. Jens Böcker: "Besonders positiv ist zu vermerken, dass ein stetig wachsender Anteil der Endkundinnen und Endkunden Glasfasertarife wählt – die Vorteile von Glasfaser werden demnach zunehmend erkannt."
Technologiewandel im deutschen Breitbandmarkt
Die Technologieverteilung im deutschen Breitbandmarkt zeigt eine deutliche Verschiebung: FTTB/H-Anschlüsse verzeichneten 2024 den stärksten Zuwachs mit 1,3 Millionen neuen Anschlüssen und erreichen damit 5,9 Millionen Kunden. VDSL bleibt mit 20,5 Millionen Anschlüssen weiterhin die dominierende Technologie, konnte aber nur noch 100.000 Neukunden gewinnen.
DSL verliert hingegen kontinuierlich Marktanteile und musste 2024 einen Rückgang um 900.000 Anschlüsse auf 3,1 Millionen hinnehmen. HFC (Hybrid Fiber Coax) verzeichnete ebenfalls einen leichten Rückgang um 100.000 Anschlüsse auf 8,5 Millionen. Die Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse stieg von 38,2 auf 38,6 Millionen.
Herausforderung: Mangelnde Kooperationsbereitschaft
Die durchschnittlichen Kosten für einen Glasfaseranschluss variieren je nach örtlichen Gegebenheiten erheblich: Homes Passed kosten zwischen 600 und 1.350 Euro, der Hausstich zwischen 700 und 1.500 Euro je Anschluss. Als größte Herausforderung beim Ausbau der Netzebene 4 (Gebäudeverkabelung) identifizierten 71 Prozent der befragten Netzbetreiber die mangelnde Kooperationsbereitschaft von Mehrfamilienhaus-Eigentümern, Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften.
Schleswig-Holstein weiterhin vorne
Im Bundesländervergleich führt Schleswig-Holstein mit einer Ausbauquote von 92,7 Prozent, gefolgt von Hamburg (90,8 Prozent) und Bremen (79,7 Prozent). Den stärksten Zuwachs unter den Flächenländern verzeichnet Niedersachsen mit einem Plus von 19,2 Prozentpunkten. Bei der Anschlussquote liegt Schleswig-Holstein mit 64,9 Prozent ebenfalls vorne, gefolgt von Brandenburg (47,4 Prozent) und Hamburg (47,3 Prozent).
Breitband-Förderung und Marktstruktur
Im Rahmen der Breitbandförderung des Bundes wurden bis August 2025 von den zur Verfügung stehenden 21 Milliarden Euro bereits 6,2 Milliarden Euro ausgezahlt – ein Anstieg um 1,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Baden-Württemberg führt bei den bewilligten Fördermitteln mit 3,6 Milliarden Euro.
Etwa 70 Prozent der angeschlossenen Wirtschaftseinheiten (Homes Connected) werden von Unternehmen mit weniger als einer Million Anschlüssen realisiert. Dies verdeutlicht laut Studie die wichtige Rolle kleinerer und mittlerer Netzbetreiber im deutschen Glasfasermarkt.
Steigende Bandbreitennachfrage
Das Festnetz-Datenvolumen wächst kontinuierlich um 12 Prozent jährlich auf durchschnittlich 372 Gigabyte pro Anschluss und Monat in 2024. BREKO-Mitglieder prognostizieren für Privatkunden eine Steigerung der durchschnittlichen Download-Bandbreite von 300 Mbit/s (2025) auf 810 Mbit/s (2030), bei Geschäftskunden von 563 Mbit/s auf 1.450 Mbit/s.
"Bremsklotz für den schnellen Glasfaserausbau"
Der BREKO fordert von der Bundesregierung ein konkretes Konzept für den Technologiewechsel von Kupfer auf Glasfaser.
BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers: "Die aktuelle Strategie der Deutschen Telekom, sich einer konstruktiven Debatte zu entziehen und stattdessen mit neuen Hybrid-Tarifen die Lebensdauer ihrer Kupferkabel zu verlängern, ist ein Bremsklotz für den schnellen Glasfaserausbau."
Bei der geplanten Änderung des Telekommunikationsgesetzes im Bereich der Gebäudeverkabelung unterstützt der BREKO ein Glasfaser-Vollausbaurecht in engen Grenzen, warnt jedoch vor einer Ausweitung der Mitnutzungsansprüche mit regulierten Entgelten, da dies zu erheblichen Investitionsrisiken führen könnte.
Die Marktanalyse basiert auf Befragungsdaten von 202 Netzbetreibern und gilt als repräsentativ für den deutschen Telekommunikationsmarkt. Sie wurde im Auftrag des BREKO von Prof. Dr. Jens Böcker erstellt.
Claudia Boss-Teichmann 15.08.2025

