
"Wir haben ein verdammtes Problem, die Glasfaseranschlüsse zu verkaufen, die wir beim Kunden verlegen", sagte Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS) in seiner Keynote auf dem Breitbandkongress des FRK (Foto: CBT)
FRK-Breitbandkongress 2025
Branche ringt um Glasfaser-Erfolg
Der 28. FRK-Breitbandkongress in Leipzig hat die Spannungen im deutschen Glasfasermarkt offengelegt. Zwischen hohen Investitionen, zögerlicher Nachfrage und politischen Eingriffen wird deutlich: Die Branche sucht dringend nach Wegen, um den Ausbau wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.
Auftakt mit Dank und Rückblick
Der neue FRK-Vorsitzende Ralf Berger eröffnete die zweitägige Veranstaltung am 10. September mit einem Dank an den Vorstand und an seinen langjährigen Vorgänger Heinz-Peter Labonte. In seinem Rückblick hob Berger die Inhaus-Verkabelung als zentrales Thema hervor: Von der Antenne über Satellit und Kabel bis zu heutigen Glasfasernetzen habe sich die Technik zwar gewandelt, die Fragen und Herausforderungen blieben jedoch dieselben. Der Mittelstand spiele dabei damals wie heute eine wichtige Rolle beim Netzausbau und bei der Signalverteilung in Häusern und Wohnanlagen.
Kritisch merkte Berger an, dass die Einmischung der Politik heute deutlich stärker sei als früher. Wichtig bleibe, den Kunden im Blick zu behalten: Wenn dieser einen unmittelbaren Nutzen von Technologie habe, sei er auch bereit, ein Entgelt für die Nutzung zu zahlen.
Heer: Kooperativer Ausbau statt Konkurrenzdenken
Die Diagnose von Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Bundesverbands Glasfaseranschluss (BUGLAS), fiel unmissverständlich aus: "Wir haben ein verdammtes Problem, die Glasfaseranschlüsse zu verkaufen, die wir beim Kunden verlegen", sagte Heer in seiner Keynote zum Thema "Gigabitversorgung im Spannungsfeld von Markt und Politik". Die reine Zahl der "homes passed" sei kein relevanter Maßstab – entscheidend sei, wie viele Haushalte tatsächlich versorgt und als Kunden gewonnen würden.
Positiv wertete Heer, dass die Nachfrage nach höheren Bandbreiten steige, besonders bei jüngeren Zielgruppen, für die ein hochwertiger Internetzugang immer wichtiger werde. Doch das allein reiche nicht. Ziel müsse sein, die Netze stärker auszulasten, sagte Heer. Open-Access-Modelle böten dafür "erhebliches Potenzial" und müssten zum "Geschäftsmodell-Standard" werden. Kommunale und mittelständische Unternehmen hätten eine Schlüsselrolle beim Glasfaserausbau. Fördermittel seien sinnvoll, aber nur dort, wo eigenwirtschaftlicher Ausbau nicht möglich sei. Sein Fazit: "Glasfaserausbau geht am besten kooperativ, nicht konfrontativ!"
Krems: Schwächelnde Geschäftsmodelle
Wie schwer sich die Branche mit tragfähigen Geschäftsmodellen tut, verdeutlichte Sebastian Krems, Vorstand der LATUS consulting. Die Ausbaukosten lägen höher als veranschlagt, viele Businesspläne seien zu optimistisch kalkuliert. Die Netzauslastung liege im Schnitt bei nur 25 Prozent und sinke tendenziell sogar. "Die Businesspläne fliegen nicht", merkte Krems in seinem Vortrag kritisch an.
Investoren reagierten entsprechend zurückhaltend. Da Endkundenpreise nur moderat gestiegen seien, werde Kapital schwerer zu beschaffen. Konsolidierung und Open Access seien daher unvermeidlich. Kritisch stellte Krems die Frage, ob die Branche überhaupt verstanden habe, was die Kunden wollten. Studien zufolge sei Zuverlässigkeit das wichtigste Kundenkriterium für einen Glasfaseranschluss, noch vor Preis und Datenrate.
Rund 27 Prozent der Verbraucher seien wechselbereit, 34 Prozent unentschlossen. Krems empfahl, Kundenfeedback aus Social Media stärker auszuwerten: Beschwerden spiegelten die Lücke zwischen Versprechen und Realität. "Wir können besser werden", betonte er, operative Exzellenz sei das Gebot der Stunde.
Bremer: Kabelnetze bleiben starke Konkurrenz
Einen weiteren Blick auf die Marktlage warf Dr. Henrik Bremer, Rechtsanwalt der Hamburger Kanzlei Wirtschaftsrat Recht. In seinem Vortrag machte er deutlich, dass Kabelnetze derzeit so leistungsfähig seien, dass Glasfaser für viele Kunden noch keinen spürbaren Mehrwert biete. "Wer braucht 1 Gigabit?", fragte er provokant. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt gebe es zudem kaum Nachfragedruck seitens Mietern oder Käufern, Glasfaseranschlüsse einzufordern.
Bremer warnte zugleich vor zunehmender Bürokratie durch politische und regulatorische Eingriffe. "Investoren hassen Regulierung und Preisgrenzen", sagte er. Diese Vorgaben erhöhten den Aufwand und erschwerten den wirtschaftlichen Ausbau.
Als Ausweg sieht er Konsolidierungen: Vor allem kleinere Glasfasernetze müssten zusammengeführt werden, um größere Einheiten zu schaffen – das sei sinnvoll im Hinblick auf Open Access und zur Etablierung gemeinsamer Standards.
Darüber hinaus verwies Bremer auf zusätzliche Geschäftspotenziale bei der Inhaus-Verkabelung. Netzbetreiber der Netzebene 4 könnten hier über Telekommunikationsdienste neue Einnahmequellen erschließen, etwa bei der Anbindung von dynamischen Stromzählern. Diese seien mittlerweile vielfach Vorschrift, jedoch oft im Keller installiert, wo kein WLAN verfügbar sei.
Herausforderungen und Perspektiven
In weiteren Vorträgen befasst sich der Kongress mit Themen wie Marktentwicklung, regulatorischen Herausforderungen, Inhaus-Verkabelung und neuen Geschäftsmodellen. Klar ist: Technologien ändern sich, Herausforderungen bleiben. Kooperation, Netzauslastung und Open-Access-Modelle sind die entscheidenden Stellschrauben, um den Glasfaserausbau in Deutschland wirtschaftlich erfolgreich voranzutreiben.
Weitere Informationen und das Programm unter www.breitbandkongress-frk.de.
Autor: Dr. Jörn Krieger
Claudia Boss-Teichmann 11.09.2025

