BUGLAS-Infothek: G.fast stärkt Glasfaserausbau
Welche Potenziale haben Vectoring-Nachfolgetechnologien und G.fast für den weiteren Breitband- und Glasfaserausbau? Mit dieser aktuellen Fragestellung beschäftigte sich die Infothek, die der Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) kürzlich in Frankfurt am Main ausgerichtet hatte. Der BUGLAS beleuchtete den Themenkomplex „Super-Vectoring, G.fast & Co. – worauf sich TK-Unternehmen nun einstellen müssen“ mit Experten aus Wissenschaft, Technologie-Anbietern und Branchenunternehmen, die sich unternehmensintern bereits intensiv damit befasst haben.
Mathias Leibiger, Leiter der Gruppe Access- und Inhouse-Networks sowie des Testlabors am Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK ging in seinem Vortrag „Hybride Breitbandtechnologien aus Sicht der Forschung“ auf die Evolution des Zugangsnetzes, die technischen Übertragungseigenschaften und deren Bestimmung in der Praxis ein. Nach seiner Auffassung wird es künftig ein Nebeneinander von VDSL in Kombination mit Vectoring sowie mit G.fast verstärktem FttB (Fiber to the Building) geben. Deren jeweilige Wirksamkeit werde im Wesentlichen davon abhängen, ob und wenn ja wie bei einer solchen Koexistenz die Nutzung der höheren Frequenzen auf dem In-house-Kupfernetz koordiniert werden könne.
Dr. Thomas Plückebaum, Senior Consultant beim Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (Wik), beleuchtete in seinem Vortrag „Übertragungsverfahren im Access-Markt – ein Über-und Ausblick“ die Wirkweisen von Vectoring-Technologien und G.fast unter Berücksichtigung der Eliminierung des Cross-Talk und der Rest-Kupferlängen. Dabei erinnerte er an die vom Wik prognostizierte Entwicklung des Bandbreitenbedarfs 2025. Danach werden in zehn Jahren von ca. 43 Prozent der Bevölkerung nahezu symmetrische Bandbreiten deutlich jenseits der 200 MB/s nachgefragt. FttC (Fiber to the Curb, Glasfaser bis zum Kabelverzweiger) mit Vectoring sei dazu ungeeignet.
Plückebaum plädierte dafür, bereits heute überall dort wo irgend möglich zukunftssichere Glasfaser Punkt zu Punkt-Verbindungen aufzubauen, deren Leistungspotenzial im Bereich Terabit pro Sekunde liege. Die Überzeugung, dass Geschwindigkeit und Konvergenz (Endkunden, Mobile Backhaul, Geschäftskunden und Netzknoten) das Netzwerk der Zukunft definieren, vertrat Eric Festraets, Director Network & Business Strategy bei Alcatel-Lucent. Das zu den Ausrüstern im Bereich der Zugangstechnologie zählende Unternehmen bietet Lösungen für „Fiber to the most economical point“. Alcatel-Lucent sieht Vplus (Super-Vectoring) als die Lösung zum Lückenschluss zwischen VDSL Vectoring und G.fast an. Auf sehr kurze Entfernung (bis etwa 250 m) könne Vplus die Download-Bandbreite verdoppeln und die Upload-Bandbreite veranderthalbfachen. G.fast entfaltet auf noch kürzeren Rest-Kupferlängen seine Wirkung und ist daher nach Aussage von Festraets vor allem für FttB geeignet.
Die Entwicklung der Anschlusstechnologien vom heutigen Broadband hin zum morgigen Giga-Band und die jeweils möglichen Applikationen für diese Bandbreiten zeigte Jürgen Pechmann, Solution Responsible Carrier & ISP bei Huawei Deutschland, auf. Huawei bietet mit Supervectoring eine VDSL 2 Annex Q -Lösung, mit der sich auf Entfernungen von 350 Meter noch Bandbreiten über 200 Mbit/s im Download und rund 60 Mbit/s im Upload realisieren lassen. G.Fast wird von Huawei in Deutschland ebenfalls vor allem für den Einsatz in FttB-Netzen zur Weiterverwendung der vorhandenen kupferbasierten In-house-Verkabelung für kommenden höchstbitratigen Anwendungen angesehen und steht in den Startlöchern für den Rollout, der in der Schweiz bereits angelaufen ist. Damit lassen sich auf den typischen In-house-Distanzen bis etwa 100 Meter Bandbreiten im Gigabitbereich erzielen.
Horst Schmitz, Bereichsleiter Technik bei NetCologne, erläuterte in seinem Vortrag die Multi-Access-Strategie seines Unternehmens, bei der je nach Ausbaustand und lokalen Gegebenheiten eigene Infrastrukturen wie FttB, FttC und Breitbandkabelnetze oder angemietete Teilnehmeranschlussleitungen zum Einsatz kommen. Das zu den größten deutschen Regionalanbietern gehörende Unternehmen will in den 34.500 von ihm mit FttB erschlossenen Gebäuden mit über einer Viertelmillion Haushalten künftig G.fast einsetzen. Schmitz erwartet dadurch eine erhebliche Steigerung der verfügbaren Bandbreiten. Diese würde allerdings nicht so hoch ausfallen wie theoretisch möglich. Ein Grund dafür bestehe darin, dass der Frequenzbereich oberhalb von 2,2 MHz beispielsweise auch durch Vectoring beansprucht werde und es somit zu gegenseitigen Störungen kommen kann. Schmitz sprach sich daher dafür aus, dass derjenige Anbieter Priorität für diese Frequenzbereiche erhalten sollte, der die Glasfaser bis ins Gebäude ausgebaut hat.
Auch M-net sieht G.fast als Chance, die Wettbewerbsfähigkeit und Breitbandführerschaft in den eigenen FttB-Gebieten ohne Modifikation der Inhouse-Netze zu sichern. Dabei werden die zu erwartenden Konflikte zwischen FttB- und FttC-Signalen auf den parallel genutzten Frequenzen sehr kritisch bewertet, so Daniel Radermacher aus dem Bereich Strategie- und Unternehmensentwicklung des Münchner Regionalanbieters. M-net, die in ihrem großflächigen Verbreitungsgebiet ebenfalls eine Multi-Access-Strategie (vorrangig FttB/H und FttC) verfolgt, betrachtet im Zusammenhang mit den weiteren Überlegungen hinsichtlich des Einsatzes von G.fast neben ökonomischen Aspekten insbesondere technische Fragen wie die Optimierung für die jeweils vorhandene Hausverkabelung und die Notwendigkeit einer klaren rechtlich-regulatorischen Regelung des zu erwartenden Konflikts auf der In-house-Leitung. M-net unterstützt die Forderung von NetCologne, dass FttB-Anbieter die G.fast-Technologie über das gesamte dafür vorgesehene Frequenzspektrum nutzen dürfen. M-net begründet dies damit, weil die FttB-Technologie bereits heute die höchsten Datenraten liefert und damit gleichzeitig die infrastrukturelle Voraussetzung für die zukunftsfähigste aller Technologien, FttH, geschaffen ist.
Wolfgang Posewang 08.12.2015

