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(von links): Rodrigo Diehl (im Vorstand der Telekom für das Deutschland-Geschäft verantwortlich), Dr. Christian Scharpf (Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München), Florian Bieberbach (Vorsitzender der SWM Geschäftsführung) und Maximilian Oertle (Geschäftsführer von M-net) (Foto: Stadtwerke München)

FTTH-Ausbau

Stadtwerke München verpachten Teile ihre Netzes an Telekom

Die Stadtwerke München (SWM) und ihre Telekommunikationstochter M-net haben mit der Deutschen Telekom eine neue Kooperation geschlossen. Damit endet ein jahrelang erbittert geführter Streit um Doppelausbau in der bayerischen Landeshauptstadt.
 
Im August 2024 hatte die Telekom einen flächendeckenden FTTH-Ausbau auch in der Münchner Innenstadt angekündigt, was einen Überbau des Netzes von M-net bedeutete hätte. Bereits seit 2021 lief der FTTH-Ausbau des Bonners Konzerns in der Bayernmetropole, beschränkte sich allerdings auf die Bezirke jenseits der Innenstadt. Zielmarke waren 300.000 Anschlüsse. M-net hatte mit der Telekom eine Vereinbarung getroffen, dass der Magenta-Konzern im Rahmen einer Bitstream-Vorleistung seine eignen Produkte auf den Netzen der Stadtwerke München und M-net anbieten kann.
 
Eine seit 2021 geplante Open-Access-Vereinbarung, die M-net andererseits den Zugang zum Netz der Telekom gegeben hätte, war bis August 2024 allerdings nicht zustande gekommen, wofür sich M-net und Telekom gegenseitig die Verantwortung gaben. (Siehe dazu: Deutsche Telekom will in München flächendeckend FTTH ausbauen, 15.08.2024). Ein Unternehmenssprecher von M-net sagte damals: "Die Deutsche Telekom hat sich nun vorgenommen, die am besten ausgebaute Glasfaser-Stadt Deutschlands zu überbauen, obwohl bereits eine Zugangsvereinbarung und Zugang zu fairen und marktgerechten Konditionen auf das Glasfasernetz von M-net besteht."
 
Die SWM haben seit 2009 rund 650.000 Wohnungen und Geschäftseinheiten in der Münchener Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen mit Glasfaser erschlossen. Bislang enden die Leitungen meist im Keller der Gebäude (Fiber-to-the-Building – FTTB). In den kommenden Jahren wollen die SWM die Glasfaseranschlüsse vom Keller bis in jede Wohnung und Geschäftseinheit weiterführen. 

Die neue Vereinbarung

Im Rahmen der jetzt vereinbarten Kooperation verpachten die SWM der Telekom über M-net Teile ihres passiven FTTH-Glasfasernetzes. So könne die Telekom in den kommenden Jahren insgesamt rund 550.000 Endkundenanschlüsse in München erreichen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Dabei erhält jede Wohnung und jede Geschäftseinheit eine Glasfaser-Anschlussdose mit zwei Eingängen, jeweils einen für M-net und Telekom. Darüber hinaus erklären die Partner, dass ihre Anschlüsse jeweils auch anderen Telekommunikationsdienste-Anbietern zur Verfügung stehen. Per Open Access könnten diese ihre Services auf Basis einer aktiven Bitstream-Vorleistung anbieten.
 
Zudem erhält M-net einen Open-Access-Zugang auf Basis einer aktiven Bitstream-Vorleistung zu den bestehenden und geplanten Glasfaserbeständen der Telekom in München. 
 
Rodrigo Diehl, im Vorstand der Telekom für das Deutschland-Geschäft verantwortlich, sagt: "Glasfaser ist die Technologie der digitalen Zukunft Deutschlands. Umso entscheiden-der ist es, dass Unternehmen kooperieren und so den Menschen flächendeckend Teilhabe mit Gigabit-Geschwindigkeit ermöglichen. In München kombinieren wir jetzt erstmalig doppelt: Eine Kooperation mit unserem Glasfaser-Eigenausbau flankieren wir mit der kooperativen Erschließung der letzten Teilstücke im Gebäude. So machen wir München zu einer Blaupause für zukunftsweisende Kooperationen."
 
"Mit dieser Partnerschaft schlagen wir in unserer Heimatstadt München ein neues Kapitel in unserer knapp 30-jährigen Unternehmensgeschichte auf", sagt Maximilian Oertle, Geschäftsführer von M-net. "Auf Basis der langfristig angelegten Kooperation und der zuverlässigen, zukunftssicheren Infrastrukturbasis können wir einem erweiterten Kreis an Nutzerinnen und Nutzern in zusätzlichen Gebieten unserer Stadt noch leistungsstärkere Internet- und weitere Telekommunikationsdienste zugänglich machen. Das ist uns als regionaler Telekommunikationsanbieter aus München besonders wichtig."

VATM: Glasfaserausbau der Wettbewerber massiv gefährdet

Scharfe Kritik an dem neuen Kooperationsmodell kommt vom VATM. "Die Telekom sendet in München ein fatales Signal: Gewährt uns Zugang zur passiven Infrastruktur oder ihr werdet überbaut", erklärt VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer. Erst durch den angekündigten und teilweise begonnenen Überbau des gesamten Münchner M-net-Netzes und durch ihre konsequente Verweigerung, das gut ausgebaute Glasfasernetz der Münchner Stadtwerke-Tochter M-Net auf Bitstrom-Basis anzumieten, komme eine Vereinbarung zustande. "Dass die Stadtwerke München als Mutter von M-net diesem Druck nachgegeben haben, zeigt, wie hilflos selbst das größte Stadtwerk Europas der Marktmacht der Telekom gegenübersteht", so Ufer. "In München sehen wir gerade, wie die Strategie eines marktmächtigen Unternehmens verfängt, das die Wettbewerber aus dem Markt drängen will."

"Öffentlichkeitswirksam angedrohtes Doppelausbau vom Tisch"

Der BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation e.V., in dem viele Netzbetreiber und Stadtwerke organisiert sind, sieht die Kooperation positiv, stellt aber auch Forderungen an die Telekom. Ein BREKO-Sprecher sagt auf Nachfrage von Cable!vision Europe: "Die Menschen in München können aufatmen: Der im Sommer 024 durch die Deutsche Telekom öffentlichkeitswirksam angedrohte Glasfaser-Doppelausbau ist wohl vom Tisch. Die Kooperationsvereinbarung mit den Stadtwerken München und M-net verhindert nun, dass die Telekom Gehwege in der Innenstadt und angrenzenden Stadtteilen erneut aufreißt, um eigene Glasfaserleitungen zu verlegen. Damit konnte das Worst Case Szenario abgewendet werden."
 
Das Münchener Kooperationsmodell könne aber schon deshalb keine Blaupause für ganz Deutschland sein, weil es bereits so viele andere Kooperationsmodelle zwischen den Netzbetreibern gebe, so der BREKO. Die Telekom müsse sich endlich auch für andere Formen der Kooperation öffnen – insbesondere für den Einkauf von Bitstrom-Vorleistungen auf den Glasfasernetzen der Wettbewerber. Zudem fordert der Verband, dass sich die Telekom dazu verpflichten solle, das Kupfernetz überall dort zügig abzuschalten, wo sie selbst oder ein Kooperationspartner Glasfaser ausgebaut hat. 
 
Auch der BUGLAS - Bundesverband Glasfaseranschluss, bei dem auch die Deutsche Telekom seit letztem Jahr Mitglied ist, sieht die Kooperation positiv. Ein Sprecher teilt auf Nachfrage von Cable!vision Europe mit: "Zunächst möchten wir unserem Mitglied, der Telekom Deutschland sowie den Stadtwerken München und M-Net zum Abschluss ihrer Kooperationsvereinbarung gratulieren. Erneut zeigt sich, dass Marktteilnehmer bereit und in der Lage sind, sich an einen Tisch zu setzen, über tragfähige Lösungen zu sprechen und diese schließlich auch zu vereinbaren.
Als BUGLAS stehen wir wie kein anderer Verband für die Vielzahl unterschiedlicher Geschäftsmodelle – wir selbst sehen uns als „Geschäftsmodell-agnostisch“. Ein dieser Geschäftsmodelle sind Kooperationen, in denen Partner unterschiedlicher Größe auf Augenhöhe zusammenarbeiten. So entstehen Lösungen, die die Vielfalt des Marktes sichern und einen wichtigen Beitrag zum Wettbewerb im Glasfaserausbau leisten, von dem am Ende die Kunden profitieren. Darüber hinaus zahlen derartige Kooperationen auf das Gesamtziel des flächendeckenden FttH-Ausbaus ein.
Dass es Europas größtem Stadtwerk und der Deutschen Telekom gelungen ist, eine Partnerschaft zu individuellen Bedingungen zu schließen, ist für uns ein starkes Signal. Anders als andere Verbände werten wir dies nicht despektierlich als Zeichen der Hilflosigkeit – im Gegenteil: Wir sind überzeugt, dass durch kooperativen Glasfaserausbau und -betrieb die kommunalen und regionalen Anbieter langfristig gestärkt werden." 
 

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