
Austrian FiberSummit 2025
"Glasfasernetze sind Teil der Daseinsvorsorge"
Österreich hat das Potenzial, beim Glasfaserausbau in den nächsten Jahren stark aufzuholen - so die aktuelle Marktstudie der Open Fiber Austria. Sie wurde am heutigen FiberSummit in Oberwart von Studienautor Prof. Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, vorgestellt. "In den vergangenen fünf Jahren sind per anno zwischen 670 und 850 Millionen Euro in die Netzinfrastruktur investiert worden" führte Böcker aus, "Geld, das vor allem der lokalen Bauwirtschaft zugutekommt. Geht die Geschwindigkeit des Ausbaues so weiter, kann Österreich in zehn Jahren an die europäische Spitze bei der Glasfaser anschließen." Auch wenn Österreichs Glasfasernetzverfügbarkeit noch unter dem europäischen Durchschnitt liegt, kann sich das Wachstum im Telekombereich sehen lassen: Das Plus beträgt stabil rund drei Prozent in den vergangenen fünf Jahren.
Wesentliche Ergebnisse der Studie
- Vielfalt im Anbietermarkt: Neben A1 Telekom Austria (32 Prozent Marktanteil) prägen über 180 kleinere Anbieter den Markt – vor allem regional. Diese Vielfalt stärkt den Ausbau, insbesondere in ländlichen Gebieten.
- Gezielte Förderungen: Bis Ende 2024 wurden über 1,8 Mrd. Euro an Fördermitteln verteilt. Die größten Empfänger: A1 Gruppe mit 452 Mio. Euro, nöGIG mit 267 Mio. Euro und Breitband Oberösterreich GmbH mit 245 Mio. €. Gezielte Förderungen bleiben entscheidend für den flächendeckenden Glasfaserausbau.
- Umsätze im Breitbandmarkt wachsen: Seit 2020 stiegen die Umsätze von 1,5 Mrd. Euro auf 1,7 Mrd. Euro – das entspricht einem jährlichen Wachstum von 4 Prozent. Besonders stark wächst der Bereich mobiles Breitband, während die Erlöse im Festnetz stabil bleiben.
- Preise bleiben stabil: Trotz höherer Bandbreiten und besserer Leistungen sinken die Preisindizes: Kund:innen erhalten mehr Leistung für ihr Geld, was den Wettbewerb stärkt, aber Investitionen herausfordert.
- FTTH-Anschlüsse verdreifacht: Seit 2020 hat sich die Zahl der Glasfaseranschlüsse auf 373.000 aktive Anschlüsse erhöht. Die Verfügbarkeit stieg auf 40 Prozent aller Haushalte und Unternehmen – ein Plus von 18 Prozentpunkten.
- Steigende Nutzung: Die Take-up-Rate (aktive Anschlüsse im Verhältnis zu verfügbaren) wuchs von 13 Prozent (2020) auf 20 Prozent (2024). Besonders im ländlichen Raum ist die Nachfrage stark, da dort Glasfaser oft die erste echte Breitbandoption darstellt.
- Open Access als Erfolgsmodell: In Österreich gibt es inzwischen 25 offene Glasfasernetze, die rund 340.000 Haushalte versorgen – etwa ein Viertel der FTTH-Abdeckung. Open-Access-Modelle fördern Wettbewerb und Kooperation.
- Investitionen steigen weiter: Zwischen 2023 und 2024 nahmen die Investitionen in technische Infrastruktur um rund 3 Prozent zu. Der Glasfaserausbau bleibt der entscheidende Treiber – noch rund 1 Million Haushalte warten auf einen Fest-Breitbandanschluss.
OFAA-Vizepräsident DI Martin Wachutka sagte auf dem FiberSummit: "Förderungen sind für den Ausbau dieser essenziellen Infrastruktur nach wie vor unumgänglich. Denn der weitere konsequente und notwendige Ausbau von offenen und demokratischen Glasfasernetzen ist Teil der Daseinsvorsorge der digitalen Infrastruktur. Sie ist das Rückgrat einer resilienten und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft der Republik Österreich".
Claudia Boss-Teichmann 23.10.2025

