
Der neu gewähte BUGLAS-Vorsitzende Präsident Patrick Helmes, CEO der Glasfaser Ruhr, beim Pressegespräch am 6. November 2025 (Foto: BUGLAS)
BUGLAS Jahrestagung
Erst bauen, dann migrieren
Deutliche Worte zur Kupfer-Glasfaser-Migration fand der frisch gewählte BUGLAS-Vorsitzende Präsident Patrick Helmes, CEO der Glasfaser Ruhr, bei seiner Begrüßungsansprache auf dem BUGLAS Jahreskongress am 6. November in München. Er sagte: "Erst müssten die Netze gebaut werden, bevor auf sie migriert werden kann." Daher habe er ein Problem mit Zwangsabschaltungen und damit, ein verbindliches Datum für die Abschaltung zu nennen. Und: "Kupfer-Glasfaser-Migration als Konjunkturprogramm für Vodafone" sei nicht gut. Wenn der Zeitpunkt der Abschaltung gekommen sei, müsse man auch über die der HFC-Netze reden, die in Ballungsräumen 40 Prozent der Netze ausmachen würden. Seien genügend Glasfasernetze vorhanden, würde auch das "marktmächtige Unternehmen", sprich die Deutsche Telekom, kein Interesse mehr haben, zwei Infrastrukturen zu betreiben.
Seine kritische Haltung gegenüber einer unterkomplexen Abschaltedebatte bekräftigte er im anschließenden Pressegespräch. Es würde zur Verunsicherung beim Endkunden sorgen, wenn von Abschaltung geredet werde, ohne dass die Zielnetze errichtet seien. Wenn der Eindruck von Zwang entstehe, gehe die Akzeptanz für Glasfasernetze verloren.
Neben der Positionierung zum Thema Kupfer-Glasfaser-Migration sieht er als wichtiges Thema für den BUGLAS künftig Herausforderungen für die Glasfaser ausbauenden Unternehmen beim Ausbau der Netzebene 4, "Wir sind in Deutschland gruselig aufgestellt bei der Frage, wie viel Glasfaser in der Wohnung aktiv geschaltet ist."
Um den Ausbau in der NE4 zu beschleunigen, will der BUGLAS Gespräche mit der Wohnungswirtschaft führen. Durch langlaufende Gestattungsverträge seien Wohnungswirtschaften in einer Schüsselposition – alte Versorgungsstrukturen sollten neue Netze nicht verhindern, so Helmes. BUGLAS-Vizepräsident Andreas Bätz-Hammer, Geschäftsführer Lotenik Media, ergänzte: Die Immobilienbranche wolle den Vollausbau in der NE4, aber zu einem Zeitpunkt, den sie bestimme. Um beim Ausbau erfolgreich zu sein, seien ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten der Türöffner.
Auf die Frage, was sich im BUGLAS geändert habe, seit die Deutsche Telekom letztes Jahr Mitglied geworden sei, antwortete Helmes, einige Mitglieder hätten den Verband deswegen verlassen, aber es seien mehr Mitglieder hinzugekommen als ausgeschieden. Er plädierte dafür, das alte Feindbild-Denken hinter sich zu lassen: "Man kann mit der Deutschen Telekom verhandeln, sie hat sich gewandelt. Sie ist ein harter, aber fairer Player."
Claudia Boss-Teichmann 13.11.2025

