Telekommunikationsanbieter
Telekom investiert 800 Millionen Euro extra in Glasfaserausbau

Die Deutsche Telekom stockt ihre Investitionen in den Glasfaserausbau um weitere 800 Millionen Euro auf. Das Unternehmen will in den kommenden drei Jahren verstärkt daran arbeiten, mehr Kunden von einem Glasfaseranschluss zu überzeugen. "Wir bringen unsere Glasfaser vom Bürgersteig ins Wohnzimmer", kündigte Rodrigo Diehl, Vorstand für das Deutschlandgeschäft, am 22. Januar 2026 auf dem "Netzetag" des Unternehmens in Bonn an.
Rekordausbau trifft auf Aktivierungslücke
Im vergangenen Jahr hat die Telekom mit 2,7 Millionen neuen Anschlussmöglichkeiten so viel gebaut wie noch nie – etwa sieben neue Glasfaseranschlüsse pro Minute. Insgesamt können nun 12,6 Millionen Haushalte Glasfaser buchen. Allerdings hinkt die Zahl der tatsächlich aktivierten Anschlüsse dem Ausbautempo hinterher: 2025 entschieden sich 584.000 neue Haushalte und Unternehmen für Glasfaser, knapp ein Viertel mehr als 2024. Für 2026 plant die Telekom 2,5 Millionen weitere Anschlussmöglichkeiten, während die Aktivierungszahlen deutlich steigen sollen. Bis 2027 peilt das Unternehmen eine Million neue Glasfaserkunden pro Jahr an.
"Wir haben ein Rekordergebnis beim Ausbau erreicht. Noch wichtiger ist für uns aber, dass jetzt mehr Kunden als je zuvor Glasfaser buchen", sagte Rodrigo Diehl. Wichtig sei nun, für gemeinsame Interessen auch gemeinsame Positionen der Industrie zu entwickeln und zu vertreten. Das sei entscheidend im deutschen Glasfasermarkt, der aktuell enorme Herausforderungen für alle habe, insbesondere zu hohe Ausbaukosten.
Neue Vertriebsstrategie und Technik
Um mehr Kunden zu gewinnen, setzt die Telekom auf einen erweiterten Kanal-Mix. Nach einer erfolgreichen Testphase führt das Unternehmen bundesweit das Konzept "Telekom Shop vor Ort" ein: Festangestellte Mitarbeiter beraten Kunden direkt zu Hause. Parallel dazu sollen neue Verlegemethoden wie "Klebekabel" und Steckverbindungen statt aufwändigem Spleißen den Anschluss im Haus einfacher und schneller machen. Bis 2030 investiert die Telekom insgesamt 30 Milliarden Euro in den Netzausbau.
Mobilfunk: Flächenversorgung im Fokus
Beim Mobilfunk liegt der Schwerpunkt auf der Flächenversorgung. Während über 99 Prozent der Menschen bereits 5G-Zugang haben, will die Telekom die 5G-Flächenabdeckung in den nächsten vier Jahren von knapp 90 auf 94 Prozent steigern. Im vergangenen Jahr nahm das Unternehmen 1.000 neue Standorte in Betrieb. Um Standortprobleme zu lösen, kooperiert die Telekom verstärkt mit Kommunen. Bei einem Pilotprojekt in München wurden bereits 18 neue Standorte realisiert.
KI und Open RAN für mehr Effizienz
Künstliche Intelligenz spielt eine wachsende Rolle im Netzmanagement. Der selbst entwickelte "RAN Guardian Agent" steuert seit November Mobilfunkzellen individuell und identifizierte für 2026 bereits 240.000 Events in Deutschland – hundertmal mehr als zuvor. Zudem setzt die Telekom verstärkt auf Open RAN mit über 3.000 Antennen an mehr als 1.000 Standorten im kommerziellen Betrieb. Durch Open RAN lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren. Beim Mobilfunkausbau bezieht die Telekom Technologiekomponenten von Nokia und Fujitsu. Künftig können weitere hinzukommen.
Claudia Boss-Teichmann 23.01.2026

