
Dietmar Leitner ist Geschäftsführer der aicall Telekommunikations-Dienstleistungs GmbH, des Veranstalters der CableTech (Foto: aicall)
CableTech 2026
Interview mit Dietmar Leitner, Veranstalter der CableTech
Die Fachtagung für Kabel-TV, Internet und Multimedia findet dieses Jahr vom 18. bis 19. März 2026 in Spielberg statt.
Cable!vision Europe: Herr Leitner, die österreichischen Kabelnetzbetreiber haben die Umstellung auf DOCSIS 3.1 weitgehend abgeschlossen. Wohin geht die Reise nun technologisch – sehen Sie in Österreich eine Zukunft für DOCSIS 4.0, oder wird der Schritt direkt zu Glasfaser gemacht?
Dietmar Leitner: Die Integration von DOCSIS 3.1 ist in den meisten Netzen der österreichischen Kabelnetzbetreiber bereits abgeschlossen oder steht kurz vor dem Abschluss. Derzeit sehe ich kaum eine konkrete Entwicklung in Richtung DOCSIS 4.0 bei kleineren und mittleren Netzbetreibern. Viele meiner Branchenkollegen haben ihre Netze auf DOCSIS 3.1 ausgebaut und treiben seit Jahren parallel den Ausbau in Richtung FTTH voran. Dieser Trend wird sich fortsetzen, da FTTH langfristig als zukunftssicherste Technologie gilt. Dieser FTTH-Ausbau wird auch ohne Förderungen in dichter besiedelten Gebieten weiter an Fahrt aufnehmen.
Der österreichische Infrastrukturreport 2026 bescheinigt der heimischen Telekommunikationsinfrastruktur gute Qualität – zugleich bleibt die Nachfrage nach Hochleistungsanschlüssen hinter dem Angebot zurück. Wie erleben das die kleineren und mittleren Kabelnetzbetreiber, die Sie vertreten?
In vielen Fällen kosten Internetprodukte nach einem Glasfaserausbau rund 10 Euro mehr als zuvor. Das ist für viele Haushalte in Österreich zu viel, und sie bleiben lieber bei einem etwas langsameren, dafür aber deutlich günstigeren Produkt. Der Glasfaserausbau wird in Österreich vor allem durch die großen OAN-Betreiber vorangetrieben. Sie bieten in ihren Netzen zwar viele Internetanbieter an, aber der Endpreis bleibt für die Kunden dennoch hoch, da auch die Netzmieten für die Provider erheblich sind. In Wahrheit entsteht damit für Endkunden kein spürbarer Wettbewerbsvorteil, obwohl mehrere Anbieter verfügbar sind. Für OAN-Betreiber bedeutet das, dass preisbewusste Kunden oft bei bestehenden Angeboten bleiben und der erwartete Nachfrageanstieg hinter den Prognosen zurückbleibt.
Das Thema Überbau durch externe Investorengruppen war im Vorjahr ein Thema. Hat sich hier etwas verändert – etwa in der politischen Diskussion rund um die Vergabe von Breitbandförderungen?
Ja, Überbau ist in Österreich weiterhin ein Thema. In manchen Städten werden gut ausgebaute DOCSIS 3.1 Netze, aber auch bereits teilweise ausgebaute Glasfasernetze überbaut. Dafür passiert in anderen Regionen, die wirklich schlecht versorgt sind, gar kein Ausbau. Ich denke, dass sich der Markt hier wieder beruhigen wird. Bei einem Überbau mit Glasfaser muss man mühsam alle Internetkunden einem anderen, meist regionalen Provider abwerben – was derzeit noch sehr schwierig ist.
Damit kann ein Investor in einem neuen Glasfasernetz seine Finanzierungsquote nur schwer erreichen. Politisch wird das Thema zunehmend kritisch gesehen, da Fördermittel eigentlich dort eingesetzt werden sollten, wo echte Versorgungslücken bestehen.
AICALL steigt heuer in die Mobilfunkwelt ein und bietet Kabelnetzbetreibern Mobilfunk-Dienste als Partnermodell an. Wie soll das konkret funktionieren, und was verspricht man sich davon für die Positionierung der heimischen Kabelbetreiber im Markt?
Die AICALL ist ein Unternehmen, das hauptsächlich kleinere und mittlere Netzbetreiber unterstützt, um Telefonieprodukte – sowohl für Privat- als auch für Businesskunden – in einem WIN WIN Partnermodell an deren Endkunden zu bringen. Um unsere Partner auch künftig bestmöglich unterstützen zu können, haben wir uns entschlossen, in den Mobilfunkmarkt einzusteigen. Alle Netzbetreiber können an diesem Modell teilhaben. Weiters wird die AICALL nach demselben Modell auch IPTV Dienstleistungen für Netzbetreiber anbieten. Durch diese Erweiterung unseres Produktportfolios ersparen sich unsere Partner die hohen einmaligen Investitionskosten und den organisatorischen Aufwand in diesen Bereichen. Gleichzeitig können sie ihren Endkunden alle relevanten Produkte aus einer Hand anbieten und diese langfristig binden – so wie es die großen Telekom-Betreiber am österreichischen Markt tun. Damit stärken regionale Betreiber ihre Wettbewerbsfähigkeit und können ihren Kunden moderne Triple Play und Quad Play Pakete anbieten.
Messtechnik in heterogenen Netzen ist ein neuer Schwerpunkt auf der diesjährigen CableTech. Warum ist dieses Thema gerade jetzt relevant?
Messtechnik ist in unserer Branche immer eines der wichtigsten Themen. Auch in einer gut ausgebauten und modernen Infrastruktur kommt es zu Fehlern, die sich nur schnell und gezielt finden lassen, wenn man in diesem Bereich investiert und auf moderne Technologien setzt. Durch die zunehmende Mischung aus Koax-, Glasfaser- und Funktechnologien steigt die Komplexität der Netze. Präzise Messtechnik wird daher entscheidend, um Servicequalität sicherzustellen und Störungen effizient zu beheben.
Was erwartet die Besucher der CableTech 2026 am 18. und 19. März konkret – gibt es neue Formate oder besondere Highlights gegenüber den Vorjahren?
Wie bereits in den letzten Jahren haben wir auch heuer wieder ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Aktuell ist natürlich NIS2 ein wichtiges Thema, das wir unseren Teilnehmern durch ausgewiesene Experten noch einmal näherbringen wollen. Zusätzlich wird es praxisorientierte Workshops, Live Demonstrationen moderner Messtechnik und Diskussionsrunden zu aktuellen Marktentwicklungen geben.
Abschließend: Was ist Ihre persönliche Einschätzung – wie wird sich der österreichische Kabelmarkt in den nächsten drei bis fünf Jahren verändern, und welche Rolle spielen dabei die regionalen Anbieter?
Der österreichische Telekommarkt wird sich weiterentwickeln. Es wird viel Geld in den Ausbau von Glasfaser investiert werden, auch wenn sich das Tempo aufgrund fehlender Fördermittel verlangsamen dürfte. Diese fehlenden Fördermittel werden auch der Grund sein, warum bestimmte ländliche Gebiete, die jetzt schon schlecht ausgebaut sind, weiterhin zurückfallen. Ohne gezielte Förderungen wird es nicht möglich sein, dünn besiedelte Regionen angemessen zu entwickeln. Regionale Anbieter werden dabei eine zentrale Rolle spielen, da sie die lokalen Bedürfnisse am besten kennen und oft effizienter und flexibler agieren können als große nationale Betreiber.
Claudia Boss-Teichmann 13.03.2026

