Wer Glasfasernetze baut, steht vor der Frage, wie er die Netze auslasten kann, denn die Zahl der Kunden, die einen Zugang buchen, ist bislang zu gering, um die Ausbaukosten wieder hereinzuspielen. Hier kommt IPTV ins Spiel. "Viele ISP lassen Potenzial liegen", sagt Albrecht Kühn, COO der Exaring AG, die waipu.tv betreibt. "Wir haben in einigen Netzen mehr Kunden als der Netzbetreiber selbst", erklärte Kühn in der Media Hall, die im Rahmen der Digital- und Glasfasermesse Fiberdays 26 stattfand.
Was nach Ansicht der Experten in der Media Hall viele Netzbetreiber nicht erkennen: Die Deutsche Telekom hatte Ende 2024 bereits über 600.000 OTT-Kunden für MagentaTV, die also das TV-Produkt nicht über einen Zugang der Telekom empfangen. Mit der Übertragung sämtlicher 104 Spiele der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft, davon 44 exklusiv, dürfte die Kundenzahl noch steigen. Diese OTT-Kunden will die Telekom davon überzeugen, auch den Internetzugang bei ihr zu buchen. Das erklärte Jörg Richartz, Vice President Vermarktung & Steuerung TV der Deutschen Telekom, in der Media Hall.
Reduzierung der Kündigungsquote mit IPTV
Die Telekom wird also mit attraktiven Bundle-Produkten Jagd auf die Kunden der Netzbetreiber machen. "Ohne eigenen Brand im TV nehmen die Kunden in einem Open-Access-Netz zuerst das TV-Produkt des Wettbewerbers und am Ende auch dessen Zugangsangebot", warnte ocilion-Geschäftsführer Hans Kühberger. Und Dominik Brück, CCO von AgileTV, ergänzte: "Fast 90 Prozent der Kunden nehmen das Bundle."
Dass ein eigenes IPTV-Produkt Kunden davon abhält, zur Konkurrenz abzuwandern, belegte Brück anhand der Kündigungsquote, der sogenannten Churn Rate. "In Spanien konnten unsere Kunden die Churn Rate von 20 auf 16 Prozent reduzieren", sagte der Experte für IPTV-Plattformen in der Media Hall. Unter den "Heavy Usern", also jenen, die auch Zusatzfunktionen wie etwa Online Recording wählen, sei die Rate sogar auf 6 Prozent zurückgegangen. Für die Experten in der Media Hall steht daher fest: Es gibt für Glasfasernetzbetreiber keine Alternative zu einem eigenen IPTV-Produkt.
Autor: Marc Hankmann