Glasfaserausbau
UGG zieht sich aus Glasfaser-Ausbauprojekten zurück

(Symbolbild Glasfaser-Leerrohre; Foto: Planet Fox auf Pixabay)
Unsere Grüne Glasfaser GmbH (UGG), ein Gemeinschaftsunternehmen von Allianz und Telefónica, hat den geplanten Glasfaserausbau in mehreren Kommunen mit Schwerpunkt in Baden-Württemberg eingestellt. Dies geht aus der Website von UGG beim Aufruf der Ausbaugebiete hervor. Dort heißt es: "Leider werden wir den Glasfaserausbau in Ihrer Gemeinde nicht wie angekündigt durchführen können. Ihr gewählter Internetanbieter wird Sie zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen in Bezug auf Ihren Vertrag informieren."
Betroffen sind Kommunen in den Landkreisen Rems‑Murr (Erdmannhausen, Kernen im Remstal, Marbach‑Rielingshausen, Plüderhausen, Urbach, Waiblingen), Ludwigsburg (Freudental, Löchgau), Göppingen (Gingen an der Fils, Kuchen) Reutlingen (Bad Urach), Tübingen (Rottenburg am Neckar) und Calw (Althengstett). Dies ergab eine stichprobenartige Recherche auf der Website von UGG.
GVG Glasfaser erfährt den Rückzug aus dem Internet
GVG Glasfaser aus Kiel kooperiert mit UGG in den betroffenen Landkreisen Rems-Murr und Ludwigsburg. Dort hatte die UGG den Glasfasernetzbau in den Ausbaugebieten übernommen, in denen GVG eine ausreichende Zahl an Kundenverträgen abgeschlossen hatte. GVG Glasfaser erfuhr vom Ausbaustopp nach eigenen Angaben über die UGG-Website. Eine direkte Information durch die UGG an GVG Glasfaser, die betroffenen Gemeinden oder die Kunden hatte es nach Darstellung von GVG zuvor nicht gegeben.
Auf eine Anfrage von Cable!vision Europe zu den Gründen für den Rückzug und die Kommunikation dazu antwortete ein Sprecher von UGG: "Seit dem Abschluss einiger Absichtserklärungen von UGG/ IFG hat sich die Lage am deutschen Glasfasermarkt stark verändert. Aus diesem Grund konzentriert sich der Ausbau von UGG in den Jahren 2026 und 2027 darauf, möglichst viele aktive Kunden:innen an das UGG-Netz anzuschließen. UGG hat in den letzten Wochen einige Projekte neu priorisiert, Ausbaugebiete angepasst und tritt teilweise auch gezielt von einigen Absichtserklärungen zurück, welche eigenwirtschaftlich finanziert aktuell nicht mehr auszubauen sind. Darüber informierte und informiert UGG gerade seine Partner und die betroffenen Kommunen."
Hintergrund: Bereits zweiter gescheiterter Ausbaupartner
Die GVG Glasfaser hatte unter ihrer Marke teranet in den betroffenen Kommunen bereits eine für einen wirtschaftlich rentablen Ausbau ausreichende Zahl an Kundenverträgen eingeworben. Ursprünglich sollte die Deutsche Giga Access (DGA) das Netz bauen – dieses Vorhaben war gescheitert. Im September 2024 schloss GVG Glasfaser daher eine Kooperationsvereinbarung mit der UGG, die sich bereit erklärte, die Glasfaserinfrastruktur (Fibre to the Home, FTTH) zu errichten. Die GVG Glasfaser hatte dafür nach eigenen Angaben Ende 2024 bereits die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit die bestehenden teranet-Kundenverträge auf dem UGG-Netz hätten weitergeführt werden können.
GVG-Chef: "Völlig überraschend"
GVG-Geschäftsführer Thorsten Fellmann äußerte sich bestürzt über die Entwicklung: „Wir sind erschrocken darüber, dass es nach mehreren Verzögerungen in puncto geplanter Ausbaustart nun völlig überraschend zur aktuellen Situation gekommen ist und wir diese Information – wie die Kommunen, Kundinnen und Kunden sowie Gewerbebetriebe auch – ohne weitere Erklärung über die Internetseite der UGG zur Kenntnis nehmen mussten." GVG werde die betroffenen Kommunen umgehend kontaktieren sowie Privat- und Geschäftskunden schnellstmöglich informieren. Zudem will das Unternehmen nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Gigabit Region Stuttgart (GRS) weitere Lösungsmöglichkeiten ausloten und rechtliche Schritte prüfen.
Gemeinde Kernen: "Vertrauen endgültig verloren"
Die Gemeinde Kernen im Remstal zog Konsequenzen und kündigte aufgrund des Rückzugs von UGG den Kooperationsvertrag mit GVG-Glasfaser. Die Gemeinde beklagt, dass keine verlässliche Perspektive für Bürger und Verwaltung entstanden sei. "Nach jahrelangen Verzögerungen und zuletzt ausbleibenden Rückmeldungen trotz ausdrücklicher Zusagen sieht die Gemeinde keine Grundlage mehr für die weitere Zusammenarbeit", so die Mitteilung.
Nicht auf Baden-Württemberg beschränkt
Der Rückzug der UGG aus Ausbauverpflichtungen ist kein auf Baden-Württemberg beschränktes Phänomen. Wie die Aachener Zeitung berichtet (Meldung hinter Bezahlschranke, der Wortlaut der Meldung liegt Cable!vision Europe vor), hat die Stadt Würselen (Nordrhein-Westfalen) UGG Ende März 2026 bei der Bundesnetzagentur angezeigt, weil ein Ende 2023 angekündigter Glasfaserausbau in fünf Stadtteilen bislang nicht begonnen wurde. Demnach bestätigte UGG der Stadt in einer Videokonferenz Mitte März, dass das Unternehmen im Stadtgebiet nicht mehr aktiv werden wird. Die Zeitung verweist zudem auf vergleichbare Fälle in Zweibrücken, Eningen, Berghaupten und weiteren Kommunen.
Claudia Boss-Teichmann 09.04.2026

