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Deutsche Glasfaser unterzieht den Glasfaser-Ausbau noch nicht begonnener Projekte im Landkreis Karlsruhe einer Überprüfung. Betroffen sind laut Landkreis 19 Gemeinden. (Foto: Deutsche Glasfaser)

Glasfaserausbau

Ausbauverzögerung im Landkreis Karlsruhe

Der Glasfaserausbau im Landkreis Karlsruhe ist ins Stocken geraten: Das Unternehmen Deutsche Glasfaser hatte Mitte März 2026 angekündigt, alle noch nicht begonnenen Projekte bis mindestens 2028 auszusetzen. Davon sind laut Landkreis 19 von 28 Gemeinden betroffen, die Kooperationsverträge mit dem Unternehmen geschlossen hatten. Der Landkreis hat daraufhin beim Bund eine Anpassung der Fördervoraussetzungen beantragt. Dies geht aus einer Sitzungsvorlage des Landkreises für den Verwaltungsausschuss vom 16. April 2026 hervor.

Deutsche Glasfaser teilte Cable!vision Europe jetzt mit, dass diese Darstellung nicht mehr dem aktuellen Sachstand entspreche. Man habe den Gemeinden Bad Schönborn, Ettlingen und Karlsdorf-Neuthard mitgeteilt, dass sie nach derzeitigem Stand nicht in der bis Ende 2027 reichenden Ausbauplanung berücksichtigt werden könnten. Darüber hinaus führe Deutsche Glasfaser fortlaufende, umfangreiche Analysen bei den Projekten durch, die bisher noch nicht in Auftrag gegeben worden und werde entsprechend informieren, wenn die Projekt-Prüfungen abgeschlossen seien. Einen konkreten Zeitplan könne man erst im Anschluss bekannt geben.
 
Der Landkreis Karlsruhe ist mit knapp 450.000 Einwohnerinnen und Einwohnern einer der einwohnerstärksten Landkreise in Deutschland; in der gesamten Region leben mehr als eine Million Menschen.

Jahrelange Aufbauarbeit, dann der abrupte Rückzug

Die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und der Deutschen Glasfaser hatte 2022 begonnen. Ziel war ein flächendeckender privatwirtschaftlicher Glasfaserausbau, der die öffentlich geförderte Infrastruktur ergänzen sollte. 28 der 32 Kreisgemeinden unterzeichneten Kooperationsverträge; der Landkreis selbst schloss eine separate Vereinbarung ab, um den Ausbau zu koordinieren und einen Überbau bereits geförderter Leitungen auszuschließen.
 
Ab Anfang 2023 liefen die ersten Projekte an. In neun Gemeinden – darunter Graben-Neudorf, Dettenheim, Rheinstetten und Kronau – wurden rund 7.500 von geplanten 12.000 Hausanschlüssen fertiggestellt oder begonnen. Noch im Juli 2025 hatte Deutsche Glasfaser in einem gemeinsamen Pressegespräch verbindliche Zeitpläne bis 2028 für die verbleibenden Kommunen ausdrücklich bestätigt.

Öffentliche Vorleistungen und eine Förderlücke

Der Landkreis hatte seit 2014 gemeinsam mit der kreiseigenen Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK) rund 123 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln für den Glasfaserausbau eingeworben. Damit wurden etwa 450 Kilometer Backbone-Trassen verlegt; der Netzbetreiber inexio versorgt über dieses Netz bereits knapp 6.000 Kunden.
Das Problem: Nach geltender Förderlogik wird für den Landkreis Karlsruhe ein eigenwirtschaftliches Ausbaupotenzial von 98 Prozent aller Anschlüsse unterstellt. Weil privates Kapital als verfügbar gilt, sind weite Teile des Kreisgebiets formal nicht förderfähig – obwohl der privatwirtschaftliche Ausbau dort nun faktisch gescheitert ist.

Landrat wendet sich an Bundesminister

Landrat Dr. Schnaudigel hat am 31. März 2026 Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger schriftlich über die Lage informiert und gefordert, den betroffenen Kommunen den Zugang zu Bundesförderprogrammen wieder zu öffnen. Aus Sicht des Landkreises müssten bestehende Förderbescheide auf jene Gebiete ausgeweitet werden, die ursprünglich eigenwirtschaftlich erschlossen werden sollten und nun ohne Versorgungsperspektive dastehen.
 
Der Landrat sprach von einem Vertrauensbruch und erklärte: "Die Voraussetzungen für das von Bund und Land formulierte Ziel eines flächendeckenden Glasfaserausbaus bis 2030 müssen angepasst werden. Sonst ist dieses nicht zu erreichen. Sollte sich die Bundesregierung nicht von diesem Ziel verabschieden wollen, besteht aus meiner Sicht nur die Möglichkeit, bestehende Förderbescheide auf die Abschnitte in den Kommunen zu erweitern, die ursprünglich eigenwirtschaftlich geplant waren, nun aber aufgrund eines Rückzugs privater Anbieter ins Leere laufen."
 
Die BLK führt parallel Gespräche mit alternativen Anbietern. Für Marxzell und Kürnbach wurde bereits eine Vereinbarung mit der NetCom BW getroffen; Stutensee verhandelt mit Glasfaser plus, einem Telekom-Tochterunternehmen. Zudem laufen Gespräche mit dem Bundesförderprojektträger Aconium und dem zuständigen Landesministerium in Baden-Württemberg.
 
Der Verwaltungsausschuss des Landkreises befasste sich am 16. April 2026 mit der Lage und unterstützte das Vorgehen der BLK, sowohl auf eine Öffnung der Bundesförderprogramme hinzuwirken als auch alternative Ausbauwege zu verfolgen.
 

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