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Irmgard Kollmann, Geschäftführerin der OFAA, und Igor Brusic, 1. Vorsitzender, eröffneten die 4. Jahrestagung der OFAA am 5. Mai 2026 in Linz. (Foto: OFAA)

4. OFAA Jahrestagung

Glasfaserausbau in Österreich braucht mehr als Infrastruktur

Die 4. Jahrestagung der Open Fiber Austria (OFAA) hat am 5. Mai 2026 in Linz deutlich gemacht, dass der Glasfaserausbau in Österreich in eine anspruchsvollere Phase eintritt. Wie aus vorhandener und geplanter Infrastruktur tatsächliche Nutzung entsteht - und welche politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind, stand im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Neben dem weiteren Netzausbau rücken Nachfrageaktivierung, Fördersicherheit, Regulierung und Cybersicherheit zunehmend in den Vordergrund.

Neue EU-Regeln sollen Ausbau beschleunigen

Stefan Vouk vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport gab einen Überblick über die aktuellen regulatorischen Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene. Im Mittelpunkt standen der Gigabit Infrastructure Act (GIA), die geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sowie Ausblicke auf den in Vorbereitung befindlichen "Digital Networks Act" der EU.
 
Für die Branche besonders relevant sind laut Vouk kürzere Genehmigungsfristen, die erleichterte Mitnutzung bestehender Infrastruktur, die Koordinierung von Tiefbauarbeiten nach dem Prinzip "Dig Once" sowie eine Glasfaserpflicht im Hochbau. Weitreichend ist zudem die vorgesehene Genehmigungsfiktion: Anträge könnten unter bestimmten Voraussetzungen als genehmigt gelten, wenn Behörden nicht fristgerecht entscheiden.

Take-Rate: Österreich im europäischen Vergleich am unteren Ende

OFAA-Vorstand Herbert Flatscher und Vizepräsident Martin Wachutka stellten Ergebnisse des FTTH/B Global Ranking 2026 vor und ordneten sie für Österreich ein. Während Länder wie Spanien, Portugal und Frankreich den Glasfaserausbau im Wesentlichen abgeschlossen haben und sich bereits mit Folgefragen der Infrastruktur befassen, liegt Österreich bei der Take-Rate mit rund 22,8 Prozent im europäischen Vergleich am unteren Ende. Offene Glasfasernetze erzielen im Land jedoch deutlich höhere Werte — die Take-Rate liegt dort laut OFAA bei über 50 Prozent.
 
Wachutka erklärte das vergleichsweise langsamere Tempo nicht mit fehlendem Bewusstsein für Glasfaser, sondern mit der historisch starken Kabelinfrastruktur, die den unmittelbaren Handlungsdruck gemindert habe. Zugleich warnte er vor vereinfachenden Durchschnittswerten: "Der österreichische Glasfasermarkt ist kein einheitliches Gefüge. Erst der Blick in die Regionen zeigt, warum Take-Rates in manchen Gebieten bereits bei 50 bis 60 Prozent liegen, während anderswo noch kaum aktive Glasfaserkunden zu verzeichnen sind."

Breitband Austria 2030: Ausbautempo reicht nicht aus

Christian Wernick von WIK-Consult präsentierte Ergebnisse der Zwischenevaluierung zur Initiative Breitband Austria 2030. Demnach müssen österreichweit noch rund 1,14 Millionen FTTP-Anschlüsse errichtet werden, um die Konnektivitätsziele zu erreichen. Die aktuelle Ausbaurate von rund 156.000 Anschlüssen im Jahr 2024 sei dafür nicht ausreichend.
 
Die Evaluierung hob das OpenNet-Fördermodell als bewährt hervor. Als bevorzugte Netzarchitektur wurde Point-to-Point eingestuft, da sie Wettbewerb, Entbündelung und langfristige Effizienz am besten unterstütze. Als zentrale Schlussfolgerung hielt Wernick fest: "Die nächste Ausbauphase braucht nicht nur zusätzliche Mittel, sondern vor allem verlässliche Rahmenbedingungen für offene, nachhaltige Netzinfrastrukturen."

NISG 2026: Neue Cybersicherheitspflichten ab Oktober

Gernot Goluch erläuterte die Auswirkungen des neuen Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes (NISG 2026) auf Unternehmen der digitalen Infrastruktur. Ab 1. Oktober 2026 gelten Registrierungspflichten, definierte Meldefristen bei erheblichen Sicherheitsvorfällen sowie verpflichtende Risikomanagementmaßnahmen.
 
Die Anforderungen gehen über interne Selbsteinschätzungen hinaus: Binnen zwölf Monaten ist eine Selbstdeklaration gegenüber der zuständigen Behörde vorgesehen. Spätestens nach zwei Jahren kann ein technischer Nachweis durch unabhängige Prüfstellen verlangt werden.

Glasfaser als gesellschaftliche Aufgabe

Im abschließenden Political Talk diskutierten Bürgermeisterin Nicole Thaller (Hofkirchen im Traunkreis) sowie die Nationalratsabgeordneten Joachim Schnabel und Harald Schuh darüber, wie die Akzeptanz von Glasfaser in der Bevölkerung erhöht werden kann.
 
Einigkeit bestand darin, dass die Take-Rate nicht nur eine Marktkennzahl ist, sondern auch eine Frage von Information, Vertrauen und konkretem Nutzen. Besonderer Aufklärungsbedarf bestehe in Mehrparteienhäusern, bei älteren Bevölkerungsgruppen sowie in Regionen, in denen bereits leistungsfähige Alternativen vorhanden sind. Glasfaser müsse stärker über konkrete Lebensbereiche vermittelt werden - von digitaler Gesundheitsversorgung über Bildung bis zur langfristigen Aufwertung von Gebäuden. Die Teilnehmer ordneten Glasfaser als generationenübergreifende Infrastrukturaufgabe ein, deren Nutzen sich erst mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Anwendungen vollständig entfalten werde.
 

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