
Laut Netceed rücken beim Glasfaserausbau Systemlösungen in den Vordergrund, bei denen alle Bestandteile - von der Gebäude-Mauerdurchführung bis zur Teilnehmeranschlussdose - aufeinander abgestimmt sind. (Abbildung: Netceed)
ANGA COM 2026
Netceed: Glasfaserausbau im Wandel
Im Vorfeld der ANGA COM 2026 positioniert sich Netceed als Spezialist für industrielle Infrastruktur- und Supply-Chain-Lösungen im Glasfaserausbau und betont die Bedeutung effizienter Materiallogistik bei der Schließung der wachsenden Aktivierungslücke. Der globale Anbieter mit deutschem Standort in Kabelsketal sieht den Markt an einem Wendepunkt: Der Glasfaserausbau entwickle sich weg vom punktuellen Bauprojekt hin zu einer seriellen Infrastrukturfertigung - mit weitreichenden Konsequenzen für Netzbetreiber, Bauunternehmer und Zulieferer.
Aktivierungslücke als Engpass
Die Zahl technisch erschlossener Haushalte ("Homes Passed") wächst in Deutschland kontinuierlich. Doch die tatsächlich genutzten Anschlüsse bleiben weit dahinter zurück. Nach Einschätzung von Netceed verschiebt sich damit der zentrale Engpass von der Bauleistung zur Netzaktivierung.
Ingo Marten, Managing Director Central & Eastern Europe bei Netceed, beschreibt die veränderte Dynamik: "Netze müssen heute nicht nur gebaut, sondern verkauft, im Gebäude fertiggestellt und sauber aktiviert werden. Der Ausbau wird dadurch weniger linear – heute Tiefbau in Kommune X, morgen Aktivierungswelle in Kommune Y."
Das Unternehmen reagiert darauf mit regionalen Lagerstrukturen, projektbezogenen Kits, Drop-Shipments direkt zur Baukolonne sowie Reverse-Logistik für wiederverwendbare Komponenten.
Systemlösungen ersetzen Einzelkomponenten
Die veränderten Anforderungen erfordern nach Darstellung des Unternehmens auch einen Wandel in der Materialversorgung: weg von rein projektbezogener Beschaffung, hin zu bedarfsgesteuerter Logistik, die kurzfristige Aktivierungen und Inhouse-Installationen unterstützt. Statt Einzelkomponenten rücken normgerechte Systemlösungen in den Vordergrund, bei denen alle Bestandteile - von der Gebäude-Mauerdurchführung bis zur Teilnehmeranschlussdose - aufeinander abgestimmt sind. Vorkonfektionierte Lösungen sollen den Installationsaufwand reduzieren und Fehlerquellen auf der Baustelle minimieren.
Technologisch treiben nach Unternehmensangaben grabenarme Verfahren, Mikrorohrsysteme und vorkonfektionierte Hausanschlusslösungen die Industrialisierung voran. Mit der Verbreitung von XGS-PON rücken zudem 25G-PON-Architekturen näher, was die Anforderungen an die optische Qualität erhöhe. GIS-gestützte Planung und Echtzeit-Tracking von Materialströmen sollen zusätzlich für Transparenz entlang der Wertschöpfungskette sorgen.
Fachkräftemangel und Genehmigungsstau bremsen den Fortschritt
Trotz der technischen Fortschritte bleiben strukturelle Hemmnisse bestehen. Ineffizienter Doppelausbau bindet Ressourcen, regional unterschiedliche Genehmigungsprozesse und der Fachkräftemangel gefährden die Wirtschaftlichkeit. Besonders in der Inhouse-Verkabelung von Mehrfamilienhäusern seien die Anforderungen hoch, da Installationsfehler im laufenden Betrieb nur mit erheblichem Aufwand zu beheben seien. Netceed sieht standardisierte Zugangsmodelle und Schulungskonzepte als notwendige Antwort.
Deutschland: Aufholer und Taktgeber zugleich
Aufgrund seiner Marktgröße nimmt Deutschland nach Einschätzung von Netceed eine Doppelrolle ein: als Nachzügler beim Ausbautempo und gleichzeitig als potenzieller Impulsgeber für Europa. Marten formuliert das Fazit pointiert: „Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, brauchen wir digitale Genehmigungsprozesse, eine bessere Ausbaukoordination und die Stimulierung der Nachfrage. 2026 entscheidet sich, ob Deutschland aus dem Zustand ‚Wir bauen viel, aber nutzen wenig' herauskommt. Tempo braucht Takt. Und Takt braucht Material, das da ist, bevor jemand danach fragen muss."
Netceed ist auf der ANGA COM 2026 in Köln in Halle 8, Stand 50 vertreten.
Claudia Boss-Teichmann 15.05.2026

