
Diskutierten mit Moderator Jörn Krieger (l.) über die Zukunft der TV-Distribution (v. l. n. r.): Marco Hellberg (CANAL+ Germany), Hans Kühberger (Ocilion), Jörg Meyer (Zattoo) und Christoph Mühleib (SES Germany/HD PLUS). (Foto: Marc Hankmann)
ANGA COM 2026
Marktentwicklung: TV als strategisches OTT-Produkt
Der Plattformwettbewerb hat sich verschärft, so die Meinung der Diskussionsteilnehmer auf der ANGA COM, die am 19. Mai über Entwicklung der TV-Distribution auf der Breitbandmesse in Köln sprachen. Es herrscht ein enormer Preiskampf, der vor allem durch Over-the-top-Angebote (OTT) ausgelöst wird.
"OTT ist im deutschen Markt angekommen", sagte Jörg Meyer, Chief Commercial Officer von Zattoo. OTT werde auch dazu genutzt, um Breitbandanschlüsse zu verkaufen. Vor allem die Deutsche Telekom setze MagentaTV als OTT-Variante ein, um dem Kunden durch attraktive Bundle-Angebote vom eigenen Internettarif zu überzeugen.
"Ohne TV-Produkt verlieren unsere Kunden ihre Kunden", brachte es Hans Kühberger, Geschäftsführer von Ocilion IPTV Technologies, in der Diskussion auf den Punkt. Ocilion betreut inzwischen über 100 Netzbetreiber und hat seiner IPTV-Plattform ein Facelifting verpasst. Seit April 2026 führt das Unternehmen die neue Benutzeroberfläche UI6 und die Set Top Box P610 ein – ein Beleg dafür, dass der Aufwand für Plattformanbieter immer weiter steigt, denn immer mehr Partner müssen integriert, immer mehr Aktualisierungen aufgespielt werden.
Satellit verliert in Flächenländern an Reichweite
TV wird aber auch an anderer Stelle als strategisches Produkt eingesetzt, wie Marco Hellberg, Geschäftsführer von CANAL+ Germany, auf der ANGA COM berichtete. Demnach gewähren Glasfasernetzbetreiber ihren Kunden während des Baus des Glasfaseranschlusses Zugang zum eigenen OTT-TV-Angebot. Dadurch soll verhindert werden, dass der Kunde noch vor Fertigstellung des Anschlusses abspringt. "Es gibt eine nachweisbare Korrelation zwischen TV-Nutzung und Kundentreue", erklärte Hellberg in Köln.
Dass im Zuge des Glasfaserausbaus die Zahl der IPTV-Haushalte steigt, bekommt auch der TV-Empfang via Satellit zu spüren. "Wir haben in Flächenländern an Reichweite verloren“, sagte Christoph Mühleib, Geschäftsführer von SES Germany und HD PLUS. „Die Subventionen in Glasfaser tun uns etwas weh." So muss auch Mühleib auf den intensiven Wettbewerb reagieren. Für HD+ wird es demnächst drei TV-Pakete geben: HD+ Free, HD+ Classic und HD+ Premium. Sie verknüpfen die Bequemlichkeit des Sat-Empfangs mit dem Komfort typischer IPTV-Funktionen wie Timeshift oder Restart. "Das Beste aus beiden Welten", wie Mühleib in Köln sagte.
Claudia Boss-Teichmann 20.05.2026

