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Der Bewegtbildmarkt befindet sich in einem rasanten Wandel, TV-Produkte spielen eine wichtige Rolle für die Kundengewinnung für Glasfaseranschlüsse - so die zentralen Thesen auf dem Panel am 20. Mai auf der ANGA COM in Köln. (Foto: CBT)

ANGA COM 2026

IPTV, All-IP und die Macht der Plattformen

Auf Einladung von Hans Kühberger, Geschäftsführer von Ocilion IPTV Technologies GmbH, diskutierten Netzbetreiber und Inhalteanbietern beim "Innovation Breakfast" am 20. Mai auf der ANGA COM in Köln über die Rolle von TV als strategischem Produkt. Die Moderation übernahm Medienjournalist Dr. Jörn Krieger.
 
Die Ausgangslage war unumstritten: TV ist für Netzbetreiber wichtiger denn je. Und der Bewegtbildmarkt befinde sich in einem rasanten Wandel. "In den letzten drei bis vier Jahren hat sich die Branche stärker verändert als in den zwanzig Jahren zuvor", sagte Saevar Lemke, Geschäftsführer von SPIEGEL TV Geschichte & Wissen GmbH.

IPTV als Vertriebsmotor

Mehrere Diskussionsteilnehmer betonten die strategische Bedeutung des TV-Produkts für die Kundengewinnung. Stefan Kitzmantl, Geschäftsführer von Infotech EDV-Systeme GmbH, erklärte, das IPTV-Angebot sei für Infotech der wesentliche Treiber gewesen, um beim Glasfaserausbau viele Kunden ans Netz zu bringen. Wolfram Thielen, Geschäftsführer und Chief Revenue Officer der Deutschen GigaNetz GmbH, berichtete, dass Deutsche GigaNetz das IPTV-Angebot von Beginn an auf All-IP ausgerichtet habe. Anfangs sei es vor allem bei Einfamilienhaushalten mit Buchungsraten von zehn bis 15 Prozent erfolgreich gewesen; das Ziel sei nun, auch schwerer erreichbare Mehrfamilienhaushalte zu gewinnen und dort Buchungsraten von 25 Prozent zu erreichen. Hendrik Westendorff, Geschäftsführer von Thüringer Netkom, ergänzte, sein Unternehmen wolle künftig Kunden bereits ein OTT-Produkt anbieten, bevor sie am Netz hängen – ein Ansatz, der dabei helfe, sich gegen Satellit und Kabel zu behaupten und Kunden zu binden. Als Tochtergesellschaft eines Energiekonzerns können die Netcom außerdem Zusatzservices anbieten, beispielsweise für die Kunden Informationen wie den aktuellen Stromverbrauch ihrer Wallbox in der TV-App anzeigen.
 
Kühberger betonte das White-Label-Prinzip seiner Plattform: "Wir können für jeden Kunden dessen eigenes Brand nach vorne stellen." Die Operator-App "Faserl" werde direkt auf dem Bildschirm mitinstalliert; über diese können die Kunden spezifische Inhalte einspielen.

Neues Sportangebot und Pay-TV im Wandel

Bendix Eisermann, geschäftsführender Gesellschafter von Sportdigital, kündigte an, dass sein Unternehmen am 22. Mai eines der ambitioniertesten Sportmedienprojekte der letzten Zeit starte: DVB-TV, ein neuer Pay-TV-Sender als Joint Venture mit dem DFB, der über Kabel, Satellit, IPTV und Streaming verbreitet werde. Kühberger ergänzte, der Sender sei für ocilion-Kunden in den ersten zweieinhalb Monaten kostenlos empfangbar.
 
Lemke beschrieb, wie sich sein Unternehmen vom reinen Pay-TV-Anbieter weiterentwickelt habe, doch: "Pay-TV ist nach wie vor ein Premium-Produkt – kuratiert, mit starker Marke und viel Zuschauerresonanz." Der FAST-Bereich sei weiterhin ein Wachstumsmarkt, Revenue-Treiber und Markenerweiterung zugleich.

Plattformabhängigkeit und Datentransparenz

Ein zentrales Thema war die wachsende Macht der Plattformen. Lemke brachte es auf den Punkt: "Plattformen stehen zwischen Kunden und uns – sie haben eine zentrale Funktion, und wir sind von ihnen abhängig. Sie sind in gewissem Sinne auch Content-Anbieter." Er wünsche sich mehr Transparenz und mehr Dialog zwischen Plattformen und Inhalteanbietern: "Wir brauchen mehr Wissen, welche unserer Produkte wie von den Kunden aufgenommen werden." Die Auffindbarkeit von Inhalten auf Plattformen sei ein Problem, das noch gelöst werden müsse.

All-IP als Zukunftsweg

Einigkeit herrschte beim Thema Technologie: Der Weg führt zu All-IP. Eisermann sagte, nur dadurch verfüge man über die Funktionalitäten, die für die Monetarisierung nötig seien. Lemke ergänzte, nur IP-Plattformen könnten ein vollständig personalisiertes Erlebnis abbilden – von datengetriebenen KI-Vorschlägen bis zu personalisierter Werbung.
 
Als wesentliche Herausforderungen für die Zukunft nannten die Panelisten Kundenbindung und -gewinnung, den Druck durch Wholesaler mit eigenen hochwertigen TV-Produkten sowie die Notwendigkeit, Werbewirtschaft, Plattform-, Technik- und Inhalteanbietern an einen Tisch zu bringen.
 
 

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