
Nach Vollzug der Transaktion soll ein gemeinsames Netz entstehen, das über 300.000 Haushalten zur Verfügung stehen kann. (KI-generiertes Symbolbild)
Übernahme
Glasfaser-Deal: SFN übernimmt NFH
Das Glasfaser- und Kabel-Telekommunikationsunternehmen Strategic Fiber Networks GmbH (SFN) mit Sitz in Schwäbisch Gmünd hat am 8. Juli 2026 eine bindende Vereinbarung zum Erwerb sämtlicher Anteile am Breitbandnetzbetreiber Northern Fiber Holding GmbH (NFH) unterzeichnet. Die Northern Fiber Holding GmbH (NFH) ist ein Portfoliounternehmen des UBS Asset Management Infrastrukturfonds (UBS-AM).
NFH versorgt unter den Marken lünecom, sewikom und terralink networks ländliche und stadtnahe Regionen in Norddeutschland mit eigenen Glasfaseranschlüssen. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen entsteht durch die Übernahme eine Glasfaserplattform mit einem Netz für mehr als 300.000 Haushalte. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen sowie weiterer Vollzugsbedingungen.
Netzgebiete in vier Bundesländern
SFN ist bislang über die Verbrauchermarken "Das bessere Netz" (DBN), Wisotel und Northern Access in Baden-Württemberg und Niedersachsen aktiv. NFH betreibt eigene sowie angemietete Glasfasernetze in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Die Netzgebiete ergänzen sich nach Angaben der Unternehmen in hohem Maße.
Für Kundinnen und Kunden im gemeinsamen Versorgungsgebiet soll die Transaktion nach Angaben der Unternehmen den Ausbau leistungsstarker Glasfaseranschlüsse in Regionen beschleunigen, die von bundesweiten Anbietern bislang unterversorgt worden sind. NFH erklärt zudem, die Übernahme mache "den Weg frei" für eine zügigere Versorgung in den eigenen Ausbaugebieten. Die vergrößerte Plattform soll künftig in der Lage sein, Privat- und Geschäftskunden ein breiteres Angebot an Glasfaserprodukten zu machen.
Finanzielle Restrukturierung über 400 Mio. Euro
Der Hintergrund der Transaktion: Die NFH befindet sich in einer Restrukturierung ihrer Verbindlichkeiten im Umfang von über 400 Millionen Euro. Dies geht aus einer Mitteilung der Anwaltskanzlei Clifford Chance hervor, die ein internationales Bankenkonsortium bei der Neuordnung der Schulden beraten hat. Teil der Restrukturierung sei auch ein strukturierter M&A‑Prozess unter Leitung eines Treundhandgesellschafters. Mit der verbindlichen Vereinbarung über den Erwerb der NFH durch die Strategic Fiber Networks GmbH (SFN) sei ein wichtiger Meilenstein auch für die Umsetzung der Neuordnung der Finanzverbindlichkeiten der NFH erreicht worden, so die Mitteilung.
Finanzinvestor iCON Infrastructure im Hintergrund
SFN steht indirekt im Eigentum von Infrastrukturfonds, die von iCON Infrastructure LLP verwaltet und/oder beraten werden. iCON verwaltet und/oder berät nach eigenen Angaben Fonds mit einem Kapitalvolumen von über 12 Milliarden US-Dollar und konzentriert sich auf langfristige Eigenkapitalinvestitionen in privaten Infrastrukturunternehmen des Mittelstands-Segments in Europa und Nordamerika. Der jüngste Flaggschifffonds, iCON VII, wurde im Juli 2025 mit einem Volumen von 3,7 Milliarden US-Dollar geschlossen. In Deutschland ist iCON nach eigenen Angaben zudem am Flughafen Hannover, an der Onkologie-Plattform Mercurius Health, am Abfallwirtschaftsunternehmen Meinhardt Gruppe sowie am Speicherinfrastrukturunternehmen USG beteiligt.
Einordnung: Konsolidierung im Glasfasermarkt setzt sich fort
Die Transaktion zeigt erneut die Dynamik der Konsolidierung im deutschen Glasfasermarkt. Die finanzielle Restrukturierung der NFH ist kein Einzelfall: Laut Clifford Chance zählen Restrukturierungen von Glasfaserunternehmen inzwischen zu den bedeutendsten Beratungsfeldern im europäischen Restrukturierungsmarkt. Das deutet darauf hin, dass zahlreiche mittelgroße Betreiber unter finanziellem Druck stehen – verursacht durch hohe Ausbaukosten, steigende Zinsen und intensiven Wettbewerb. Kapitalkräftige Plattformen wie SFN nutzen diese Situation, um regionale Anbieter aufzukaufen.
Claudia Boss-Teichmann 09.07.2026

