
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, ist nicht zufrieden mit dem Breitband-Geschäft. Entgegen dem positiven Trend bei Mobilfunk und MagentaTV habe man dort im letzten Quartal Kunden verloren. (Foto: Deutsche Telekom)
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Telekom hebt Cashflow-Prognose 2026 an
Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal 2026 den Konzernumsatz organisch, also bereinigt um Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte, um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro gesteigert. Das bereinigte EBITDA AL – das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, bereinigt um Sondereffekte und ohne Leasingkosten – wuchs organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Der Konzern hebt daraufhin seine Jahresprognose für den Free Cashflow AL – den freien Mittelzufluss ohne Leasingzahlungen – von zuvor "mehr als 19,8 Milliarden Euro" auf rund 20,0 Milliarden Euro an.
"Unsere Geschäfte laufen weiter rund", so Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, in der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen. "Auch im ersten Halbjahr 2026 liefern alle Bereiche des Konzerns beeindruckendes Wachstum ab."
Deutschland: Fußball-Effekt und Glasfaser-Herausforderung
Im deutschen Kerngeschäft stieg der Gesamtumsatz organisch um 3,7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL legte um 2,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Die Telekom führt das auch auf die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft auf MagentaTV zurück, für die das Unternehmen rund eine Million neue TV-Kundinnen und -Kunden verzeichnet habe. Im Mobilfunk gewann die Telekom 218.000 neue Vertragskunden, die Service-Umsätze in diesem Bereich wuchsen laut Höttges um 2,4 Prozent. Im Festnetzgeschäft sei die Lage dagegen anspruchsvoller: Der Breitbandmarkt sei hart, sagte Höttges auf der Bilanzpressekonferenz am 6. August 2026, und auch die Telekom habe im Quartal Kunden verloren – das entspreche "definitiv nicht" dem eigenen Anspruch. Auch das Wholesale-Geschäft sei erwartungsgemäß schwach ausgefallen.
Bei Glasfaser (FTTH) kamen im zweiten Quartal 161.000 Neukunden hinzu; die Nutzungsquote liegt damit bei 17,5 Prozent der 13,6 Millionen anschließbaren Haushalte. Höttges sagte: "Deshalb ist unser Ziel nicht, möglichst viel Glasfaser zu bauen. Unser Ziel ist es, mit jedem gebauten Anschluss mehr Kundennutzen und mehr wirtschaftlichen Wert zu schaffen." Mit den 161.000 neuen FTTH-Kunden mache man dabei "große Fortschritte". Die Monetarisierung von Glasfaser müsse dennoch schneller werden – daran arbeiteten Rodrigo Diehl und sein Team bei der Deutschland-Sparte nach Angaben von Höttges intensiv.
Künftig wolle der Konzern den Glasfaserausbau "noch konsequenter nach Nachfrage, Penetration, Churn, Wholesale-Auslastung und Kapitalrendite" steuern, so Höttges. Bauen bleibe zwar wichtig, doch Anschließen, Aktivieren und Monetarisieren der Anschlüsse würden künftig noch stärker gewichtet.
Europa: Umsatz- und Kundenwachstum in den Landesgesellschaften
Die europäischen Landesgesellschaften erzielten im zweiten Quartal einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 1,0 Prozent. Die Service-Umsätze wuchsen organisch um 4,1 Prozent, ebenso das bereinigte EBITDA AL, das auf 1,3 Milliarden Euro stieg. Die Kundenzahlen legten in allen Bereichen zu: 189.000 neue Mobilfunk-Vertragskunden, 56.000 neue Breitband-Kunden und 16.000 neue TV-Kunden. Das Europa-Segment liefere laut Höttges seit 34 Quartalen in Folge organisches EBITDA-Wachstum.
USA: T-Mobile US setzt Wachstumskurs fort
T-Mobile US steigerte den Service-Umsatz im zweiten Quartal um 8,9 Prozent auf 19,0 Milliarden US-Dollar, das bereinigte EBITDA AL wuchs um 12,1 Prozent auf 9,3 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Postpaid-Kundenkonten erhöhte sich um 277.000 auf 34,7 Millionen. Die Jahresprognose für den Kundenzuwachs bleibt bei 950.000 bis 1.050.000 Konten, die Erwartung für den Free Cashflow wurde im Mittelwert um 200 Millionen US-Dollar angehoben.
Konzernergebnis: Sondereffekte belasten ausgewiesenen Gewinn
Der bereinigte Konzernüberschuss stieg um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der ausgewiesene, nicht bereinigte Konzernüberschuss sank dagegen um 6,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro – laut Telekom vor allem wegen Integrationskosten für UScellular bei T-Mobile US sowie fehlender Wertzuschreibungen bei Beteiligungen, die im Vorjahr das Ergebnis positiv beeinflusst hatten.
Zusätzlicher Aktienrückkauf: Telekom sieht eigene Aktie unterbewertet
Über die operativen Zahlen hinaus kündigte Höttges auf der Pressekonferenz ein zusätzliches Aktienrückkaufvolumen von bis zu 3 Milliarden Euro für 2026 an, ergänzend zum laufenden Programm von bis zu 2 Milliarden Euro. Der eigene Aktienkurs spiegele aus Sicht des Unternehmens weder die Qualität von T-Mobile US noch die des Geschäfts außerhalb der USA angemessen wider. Bei vollständiger Ausschöpfung des Programms würde die gesamte Aktionärsvergütung 2026 nach Unternehmensangaben auf nahezu 10 Milliarden Euro steigen.
Claudia Boss-Teichmann 07.08.2026

