
Laut der Studie im Auftrag von conology, Digpro, ETC One, m3 management consulting und Plusnet sind Preis und das mangelnde Ineinandergreifen von Standards die größten Hindernisse bei der Umsetzung von Open Access. (Abbildung: Plusnet)
Open Access
Open-Access-Studie: Preis bleibt größte Hürde
Eine am 26. August 2026 veröffentlichte Open Access Studie hat untersucht, warum sich der offene Zugang zu fremden Glasfasernetzen langsamer entwickelt als der Netzausbau selbst. Sie identifiziert die Preisfindung als größte Hürde für Kooperationen zwischen Netzbetreibern und Vermarktern; zugleich gewinnen der Studie zufolge zentrale Plattformen für die Vermarktung an Bedeutung. Auftraggeber der Untersuchung sind conology, Digpro, ETC One, m3 management consulting und die Plusnet GmbH, ein auf Geschäftskunden spezialisiertes Tochterunternehmen der EnBW. Durchgeführt hat die Untersuchung die Bonner Managementberatung Böcker Ziemen unter Leitung von Prof. Dr. Jens Böcker. Die Studie basiert auf Experteninterviews, in die die Auftraggeber selbst nicht einbezogen wurden.
Gebaut wird viel, verkauft wenig
Der Ausbau kommt voran: Nach der aktuellen TK-Marktanalyse des Branchenverbands VATM erreicht Glasfaser Ende 2026 voraussichtlich 32 Millionen Haushalte und kleinere Unternehmen. Tatsächlich genutzt werden davon nur 7,8 Millionen Anschlüsse. Die Take-up-Rate liegt seit Jahren stabil bei rund einem Viertel. Der Engpass hat sich damit vom Tiefbau in die Vermarktung verschoben.
Erschwert wird diese Vermarktung durch die Struktur des Marktes. Rund 300 Unternehmen betreiben in Deutschland Glasfasernetze, etwa zwei Drittel davon versorgen jeweils weniger als 10.000 Haushalte. Ein Unternehmen mit Filialen in mehreren Bundesländern trifft deshalb an jedem Standort auf einen anderen zuständigen Anbieter – mit eigenem Vertrag, eigenen Preisen und eigenen Prozessen. Open Access soll diese Lücke schließen, indem Netzbetreiber ihre Infrastruktur für Dritte öffnen.
Technik ist nicht das Problem
Warum das langsamer vorankommt als erwartet, zeigt die Studie in drei Schritten. Verhandlungen über Kooperationen scheitern demnach selten, ziehen sich aber lange hin. Als wichtigste Hürde nennen 73 Prozent der Befragten das Preisniveau, deutlich vor IT- und Technikfragen mit 43 Prozent. Ein stabiler Preiskorridor fehlt der Studie zufolge dem Markt bis heute.
Ist ein Vertrag geschlossen, beginnt laut der Studie die nächste Hürde. Standards seien weitgehend vorhanden, griffen in der Praxis aber nicht zuverlässig ineinander. Den größten Handlungsbedarf sehen die Befragten bei Prozessen mit 70 Prozent und bei IT-Schnittstellen mit 63 Prozent.
Hier rücken laut Studie die Plattformen in den Blick: 56 Prozent bewerten deren Bedeutung als gestiegen. Rund die Hälfte der Befragten hält langfristig drei zentrale Plattformen für ein realistisches Zielbild, weitere 20 Prozent halten zwei für ausreichend. Eine Monopolstruktur lehnt die Mehrheit ab.
Die Studie ordnet die Connectivity-Handelsplattform Netbridge von Plusnet als carrier-neutrale Lösung ein. Netbridge bündelt regionale Glasfasernetze zu einem bundesweiten Zugang, mit einem Vertrag, einer Rechnung und einem Ansprechpartner für alle angebundenen Netze. Zuletzt erweiterten Kooperationen mit OXG-Glasfaser, NetCom BW und dem Technologiepartner ETC One die Reichweite der Plattform.
"Die Studie beschreibt, was wir in Verhandlungen täglich erleben: Die Standards sind da, sie greifen nur nicht ineinander", sagt Jürgen Rohr, Executive Director Carrier Management bei Plusnet. "Genau dort setzt die Netbridge an – eine Anbindung, ein Vertrag, viele Netze. Entscheidend wird sein, ob Netzbetreiber und Vermarkter sich auf gemeinsame Plattformen verständigen, statt jede Kooperation neu auszuhandeln."
Download der Studie: Open Access Studie - Open Access Studie
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Claudia Boss-Teichmann 28.08.2026

