
BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers will ab 85 Prozent Homes-Passed-Ausbau mit der Abschaltund von Kupfernetzen in KVz-Gebieten beginnen. Foto: BREKO/Henning Hattendorf
Glasfaserausbau
BREKO-Marktanalyse: Ausbau wächst, Investitionsklima trübt sich ein
Die deutschen Netzbetreiber haben die Glasfaser-Ausbauquote (Homes Passed im Verhältnis zu allen Wohneinheiten) zum Stichtag 30. Juni 2026 auf 62 Prozent gesteigert, das entspricht 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen und einem Plus von 9,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl aktiver Anschlüsse stieg um 1,3 Millionen auf 7,9 Millionen. Das zeigt die Marktanalyse 2026 des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO), die in diesem Jahr erstmals von IW Consult, einer Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft, erstellt wurde.
Die Studie führt erstmals einen Geschäftsklimaindex Telekommunikation ein. Demnach bewerten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit einem Wert von 26,8 noch als positiv, die Aussichten fallen mit 15,8 aber deutlich schwächer aus. Die Investitionsbedingungen im Markt bewerten die Unternehmen mit -13,3 Prozentpunkten negativ. "Der Glasfaserausbau kommt voran. Bis zur Flächendeckung ist es aber noch ein weiter Weg", ordnet Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, die Entwicklung so ein. "Zu denken geben sollten uns die steigenden Kosten und das damit verbundene verhaltene Investitionsklima."
Höhere Kosten bremsen Anschlusszahlen
Drei von vier befragten Unternehmen berichten von steigenden Tiefbaukosten. Laut BREKO führte das 2025 erstmals seit zehn Jahren zu leicht rückläufigen Investitionszahlen bei den Wettbewerbern der Telekom. Die Zahl der tatsächlich angeschlossenen Gebäude und Wohnungen (Homes Connected) wuchs im Berichtszeitraum nur um 1,2 Millionen, nach 2,1 Millionen im Vorjahr. Ein Hausanschluss kostet laut Marktanalyse im Schnitt 1.950 Euro und gilt als teuerster Teil des Ausbaus. Netzbetreiber verlegen Anschlüsse deshalb zunehmend erst bei vorliegendem Kundenvertrag statt auf Vorrat.
Nach BREKO-Angaben haben die Telekom-Wettbewerber mittlerweile knapp 900.000 Kilometer Glasfaser verlegt, davon rund 40.000 Kilometer im Jahr 2025, und tragen mit 9,8 Milliarden Euro fast zwei Drittel des branchenweiten Investitionsvolumens von 15,3 Milliarden Euro. Gemessen am Umsatz investieren sie mit 29,4 Prozent weiterhin knapp 50 Prozent mehr als die Deutsche Telekom mit 20,9 Prozent.
"Um Ressourcen effizient zu bündeln und Netze auszulasten, sehen wir Open Access als wichtigsten Treiber", erklärt BREKO-Präsident Norbert Westfal. Damit der voll wirken könne, müsse der Markt vor unfairem Verdrängungswettbewerb geschützt werden. In diesem Zusammenhang verwies Westfal bei der Präsentation der Marktanalyse auf das von der Branche vorgeschlagene Fairplay Agreement für Open Access in Festnetz und Mobilfunk. "Neue regulatorische Eingriffe würden eine marktgetriebene Einigung gefährden“, sagte der BREKO-Präsident.
Regelgebundene Kupfer-Glas-Migration würde Investitionen anreizen
Laut Marktanalyse wären 77 Prozent der Unternehmen bei einem verbindlichen, regelgebundenen Fahrplan für den Umstieg von Kupfer- auf Glasfasernetze zu weiteren Investitionen bereit. Ohne eine solche Regelung würden 52 Prozent der Netzbetreiber ihren Ausbau einschränken. "Von Bundesregierung und Bundesnetzagentur erwarten wir, dass sie sich in Brüssel mit starker Stimme für eine wettbewerbskonforme, regelgebundene Ausgestaltung des Kupfer-Glasfaser-Upgrades im Digital Networks Act einsetzen", forderte BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers.
Der Startschuss für die Migration von Kupfer auf Glasfaser solle nach Meinung von knap 83 Prozent der befragten Unternehmen erfolgen, wenn in einem regionalen Abschaltgebiet eine Abdeckung mit 85 Prozent Homes Passed erreicht wurde. Die Größe der Abschaltgebiete solle sich an die Kabelverzweiger-Topografie (KVz) des DSL-Netzes der Telekom orientieren.
Darüber hinaus halten knapp 73 Prozent der Befragten eine Stop-Sell-Regelung für xDSL-Anschlüsse für investitionsfördernd. Eine solche Regelung solle laut Albers erst dann gelten, wenn die Migrationsphase eingeläutet würde. "Wenn man einen hohen Ausbaugrad mit 85 Prozent erreicht hat, und erst dann, sollten in einer dreijährigen Migrationsphase Kupferanschlüsse nicht mehr vermarktet werden", erklärte Albers bei der Präsentation der aktuellen Marktanalyse.
Mehr über den BREKO
"Weitere Milliardeninvestitionen in Glasfaserausbau nötig" (14.11.2025)
Claudia Boss-Teichmann 02.09.2026

