
Der FRK-Vorsitzende Ralf Berger eröffnete den Kongress am 9. September 2026 in Leipzig. (Foto: CBT)
FRK Breitbandkongress 2026
Breitbandkongress: Impulse gegen Anschluss-Stau
Zum 29. Mal hat der Fachverband für Rundfunk- und BreitbandKommunikation (FRK) am 9./10. September 2026 zum Breitbandkongress nach Leipzig eingeladen. Bei dem jährlich stattfindenden Branchentreffen diskutierten mittelständische Netzbetreiber sowie Technologie- und Serviceanbieter darüber, wie sich mehr Kunden für bereits gebaute Glasfaseranschlüsse gewinnen lassen und welche technischen Lösungen dabei helfen können.
Regulierung reduzieren
Die Netzbetreiber stünden vor vielfältigen Herausforderungen - Veränderungen und Anpassungen habe es aber immer gegeben, so der FRK-Vorsitzende Ralf Berger bei der Eröffnung des Kongresses, auch wenn sie heute bedrohlicher erschienen. Es seien aber auch Chancen. Kritisch äußerte Berger sich zur Regulierung durch die Politik: die Vorgaben seien zahlreicher, ihre handwerkliche Qualität sei aber geringer geworden. Regulierung sei dennoch notwendig, es müssten jedoch für alle Marktteilnehmer die gleichen Regeln gelten. Zudem stelle sich die Frage, ob alles, was von den Unternehmen verlangt werde, sinnvoll sei. Die Dokumentationspflichten der Unternehmen müssten reduziert werden.
"Von der Euphorie in Realität angekommen"
Mit dem Vortrag von Sebastian Krems (Latus Consulting) starteten die Fachvorträge des Kongresses. Unter dem Titel "Der schwierige zweite Akt des Glasfasermarktes" ging Krems auf ein zentrales Branchenproblem ein: Wie lassen sich Kunden dazu bewegen, bereits gebaute Glasfaseranschlüsse auch zu nutzen? Zudem verwies er auf ein bislang wenig beachtetes Problem: "Wenn wir die Kunden gewonnen haben, sind wir zu langsam in der Anschaltung, und dadurch verlieren wir Umsatz."
Unter Bezug auf die Zahlen der aktuellen VATM-Marktstudie konstatierte Krems: "Wir haben es in den letzten fünf bis zehn Jahren nicht geschafft, die Take-up-Rate signifikant nach oben zu bringen", sie stagniert bei rund 24 Prozent.
Jetzt seien schnelle Lösungen nötig, so Krems, um Umsatz aufs Netz zu bekommen und gleichzeit dort mit minimalem Aufwand weiter zu investieren, aber nur dort, wo es sich lohne.
Brachliegende Verträge
Eine mögliche Lösung sei laut Krems, Kunden mit bereits abgeschlossenem Vertrag schneller ans Netz anzuschließen. Nach seinen Angaben handelt es sich um rund 6,3 Millionen brachliegende Verträge, durch die den Anbietern Umsatz entgehe. Um hier schneller und besser zu werden, brauche es konsistente Daten und Prozesse. Provider sollten sich auf fünf neuralgische Punkte konzentrieren und diese vorrangig bearbeiten.
Der Status quo als Wettbewerber
Eine Einzelbefragung von Kunden (Broadband Survey) habe Gründe für die niedrige Take-up-Rate untersucht: Kunden, die mit ihrem bestehenden Anschluss zufrieden seien, sähen demnach keinen Grund für einen Wechsel und befürchteten zudem, dass dabei etwas schiefgehen könnte. "Der Status Quo ist der eigntliche Wettbewerber zum Glasfaseranschluss", brachte es Krems auf den Punkt.
Die Überwindung dieser Wechselhürde sei daher die eigentliche Herausforderung. Dafür seien sowohl emotionale als auch technisch-operative Kompetenzen gefragt. Besonders wichtig sei die Kommunikation mit dem Kunden während des Wechselprozesses – transparente Information sei besser als mehrfaches Vertrösten. Auch für die Kundenkommunikation seien saubere Daten sowie eine proaktive, IT-gestützte Kommunikation unerlässlich; nur so lasse sich der Erfolg messen und kontinuierlich verbessern.
Auch für die Kundenkommunikation sind saubere Daten und eine proaktibe, IT-gestützte Kundenkommunikation unerlässlich. Auf dieser Basis könne man auch den Erfolg messen und permanent verbesssern.
Weitere Vorträge: IT-gestützte Prozesslösungen
Im Mittelpunkt weiterer Fachvorträge am ersten Kongresstag standen IT-gestützte Lösungen, die Netzbetreiber bei der Optimierung ihrer Prozesse unterstützen sollen – etwa bei der Optimierung des Endkundenservices, der Fehleranalyse und Optimierung im WLAN, der Dokumentation von Teilnehmeranschlüssen, der 3D-Datenerfassung sowie im HMS-Management.
Claudia Boss-Teichmann 10.09.2026

