Gerhard Haidvogel, Obmann des Fachverbands Telekom-Rundfunk in der Wirtschaftskammer Österreich, eröffnete am 8. Oktober 2026 die 19. Cable Days in Linz (Foto: CBT)

Cable Days 2026

Wie Medien und Telkos ihre Zukunft sichern wollen

Die 19. Cable Days am 8. Oktober 2026 standen unter dem Generalthema Souveränität und Sicherheit. Vertreter aus Telekommunikation und Medien diskutierten über den wirtschaftlichen und technologischen Wandel ihrer Branchen.
 
Dabei wurde deutlich: Sowohl Netzbetreiber als auch Medienunternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, während internationale Plattformen den Wettbewerb verschärfen. Künstliche Intelligenz verändert einerseits den Zugang, die Nutzung und Verbreitung von Inhalten und eröffnet andererseits neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung.
 
Zum Auftakt verwies Gerhard Haidvogel, Obmann des Fachverbands Telekom-Rundfunk in der Wirtschaftskammer Österreich, auf den weiteren dringlichen Ausbaubedarf bei digitalen Infrastrukturen und auf regulatorische Herausforderungen, da der nationale Rechtsrahmen Investitionen bisher bremse.

Markus Breitenecker: Relevanz statt Reichweite

Der Zugang zum Publikum, die Refinanzierung und das Vertrauen in Medien stehen nach Einschätzung von Medienmanager Markus Breitenecker, ehemaliger Vorstand von ProSiebenSat.1, massiv unter Druck. KI-gestützte Such- und Antwortsysteme verändern, wie Nutzer Informationen finden. „Suchmaschinen waren früher Wegweiser zu Medienangeboten, heute sind sie Endstation“, sagte der Medienmanager. Nutzer könnten Antworten erhalten, ohne die ursprünglichen journalistischen Angebote aufzurufen.
 
Breitenecker fordert deshalb, Relevanz stärker zu gewichten als reine Reichweite. Eine zentrale Rolle spielen aus seiner Sicht eigene Plattformen. Nur dort könnten Medienanbieter ihre Nutzerbeziehungen selbst gestalten und die Öffentlichkeit wirksam vor Fake News schützen.
 
Plattformen seien aber nur durch Zusammenarbeit groß genug aufzubauen. Als Beispiele für Aggregationsmodelle nannte Breitenecker MagentaTV in Deutschland und Joyn in Österreich. Die entscheidende Frage sei, ob künftig globale Plattformen Inhalte bündeln oder europäische Medienunternehmen diese Aufgabe selbst übernehmen.
 
Darüber hinaus sprach sich Breitenecker für eine stärkere Regulierung großer Plattformen, erleichterte europäische Zusammenschlüsse und gemeinsame Verhandlungen mit KI-Anbietern über die Vergütung genutzter Medieninhalte aus.
 

Markus Breitenecker bei seinem Vortrag auf den Cable Days 2026 (Foto: CBT)

Neue Erlösquellen für Telekommunikationsanbieter

Telekommunikationsunternehmen stehen laut Michael Henrich, Associate Partner bei Altman Solon, vor einem strukturellen wirtschaftlichen Problem: Während die Kosten für Tiefbau und Energie steigen, entwickeln sich die Umsätze pro Kunde rückläufig. Inflationsbereinigt sei der Umsatz pro Kunde in Europa seit 2015 um rund ein Viertel gesunken. Kostensenkungen und Konsolidierung könnten den Druck abfedern, reichten aber nicht aus, um neues Wachstum zu schaffen.

Henrich sieht Chancen sowohl im Kerngeschäft als auch bei neuen Dienstleistungen. Statt über Rabatte zu konkurrieren, sollten Anbieter den Wert ihrer Leistungen stärker herausstellen. Zusätzliche Nachfrage erwartet er bei Geschäftskunden, die Lösungen für digitale Souveränität, Cloud-Sicherheit und Cyberschutz benötigen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung könnten für Telekommunikationsanbieter eine interessante Zielgruppe sein.

Auch Künstliche Intelligenz könne über reine Kosteneinsparungen hinaus zum Wachstum beitragen, etwa durch eine gezieltere Kundenansprache und höhere Kundenzufriedenheit. Weitere Geschäftsmöglichkeiten sieht Henrich bei Sicherheit als Dienstleistung: Dazu zählen die Erkennung von Betrugsanrufen, digitale Identitäten und Schutzlösungen für das vernetzte Zuhause. Telekommunikationsanbieter könnten hier ihre technische Infrastruktur nutzen und gemeinsam mit politischen Akteuren Standards etablieren.

Fazit: Zusammenarbeit und neue Erlösmodelle gefragt

Die Cable Days 2026 zeigten, dass digitale Souveränität nicht allein eine Frage der technischen Infrastruktur ist. Telekommunikationsunternehmen müssen angesichts steigender Kosten neue Wachstumsfelder erschließen und den wirtschaftlichen Nutzen von KI über reine Effizienzgewinne hinaus entwickeln. Medienanbieter stehen vor der immer größeren Herausforderung, ihre Inhalte auffindbar zu halten, die Finanzierung des Journalismus zu sichern und das Vertrauen des Publikums zu stärken.
 
Beide Branchen verbindet die Abhängigkeit von leistungsfähigen Netzen und digitalen Plattformen. Mehr Kooperation, authentische Angebote und günstige regulatorische Rahmenbedingungen könnten deshalb entscheidend dafür sein, wie viel wirtschaftliche und publizistische Gestaltungsmacht in Österreich und Europa künftig erhalten bleibt.
 

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