
VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer sagt: "Gerade bei wechselbereiten Online-Kunden sind Wettbewerber nicht in der Lage, Telekom-Angebote kostendeckend nachzubilden." (Foto: VATM)
Wettbewerb und Regulierung
VATM: Preis-Kosten-Scheren gefährden Wettbewerb
Eine neue Studie von DIALOG CONSULT im Auftrag des VATM stellt die Untersuchungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Preis-Kosten-Schere infrage. Die bisherigen Prüfungen der BNetzA würden günstige Aktions- und Onlineangebote der Telekom nicht genügend erfassen. Diese würden Wettbewerber benachteiligen.
Wechselbereite Kunden zu wenig im Blick?
Wettbewerber, die auf Vorleistungen der Deutschen Telekom angewiesen sind, müssen ihre Endkundenpreise auf Basis der Einkaufspreise des Konzerns kalkulieren. Sind die Telekom-Preise für diese Vorleistungen zu teuer bzw. die Endkundenpreise der Telekom zu billig, wird der Wettbewerb behindert. Ob für die Preisgestaltung ausreichend Spielraum bleibt, untersucht die Bundesnetzagentur mit sogenannten Preis-Kosten-Scheren-Tests. Laut der Studie übersieht die heutige Betrachtung der BNetzA gerade die Angebote, die für wechselbereite Neukunden besonders relevant sind.
Der schärfste Wettbewerb findet laut der Studie bei preisbewussten und wechselbereiten Kunden statt. "Wir sehen, dass das marktmächtige Unternehmen nahezu ständig Sonder- und Aktionspreise anbietet, die zum Teil deutlich unter den regulären Listenpreisen liegen", sagt VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer. "Was bei der Durchschnittsrechnung der BNetzA noch unproblematisch aussieht, ist im echten Wettbewerb längst ein Problem. Gerade bei wechselbereiten Online-Kunden sind Wettbewerber nicht in der Lage, Telekom-Angebote kostendeckend nachzubilden. Nur auf den ersten Blick ist diese Entwicklung für die Kundinnen und Kunden positiv. Am Ende nimmt es dem Wettbewerb die Luft zum Atmen und dann folgt die Re-Monopolisierung – mit weniger Anbietern, schlechteren Produkten und steigenden Preisen."
"Kundengewinnung wird schwieriger und die Dominanz der Telekom verfestigt sich weiter", sagt Studienautor Prof. Dr. Peter Winzer. "Eine solche Re-Monopolisierung bremst auch den Umstieg von Kupfer- auf Glasfasernetze, denn ein fairer Wettbewerb findet, beim Kampf um die Kunden für die neuen Netze, dann praktisch nicht statt."
Der VATM fordert deshalb eine Anpassung des Prüfverfahrens der BNetzA und dessen Anpassung in der Novelle des TKG.
Die Kurzstudie "Funktion und Bedeutung von Analysen zur Nachbildbarkeit und zu Preis-Kosten-Scheren für den Breitbandmarkt" kann hier heruntergeladen werden: Funktion und Bedeutung von Analysen zur Nachbildbarkeit und zu Preis-Kosten-Scheren für den Breitbandmarkt.
Claudia Boss-Teichmann 16.10.2026
