Mit dem 2-GHz-MSS-Band können Mobiltelefone direkt über Satelliten auch in entlegenen Gebieten erreicht werden. (KI-generiertes Symbolbild)

Satellitenempfang

Vier Netzbetreiber prüfen gemeinsames MSS-Gebot

Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um ein gemeinsames Gebot für Frequenzen für mobile Satellitendienste (Mobile Satellite Services, MSS) in Europa zu prüfen. Dies teilte die Telekom am 19. Oktober 2026 mit. Die Netzbetreiber wollen damit nach eigener Darstellung die Souveränität Europas bei Weltrauminfrastruktur stärken und Direct-to-Device-Dienste (D2D) für Mobilfunkkunden ermöglichen.

Ziel: Eigenständigkeit Europas bei Weltrauminfrastruktur

Die Initiative unterstützt laut den Unternehmen das Ziel der Europäischen Kommission, Souveränität, Sicherheit und Resilienz bei kritischer Konnektivitätsinfrastruktur zu stärken. Sie solle zudem eine eigenständige Position Europas bei der Weltrauminfrastruktur sicherstellen.
 
Nach Angaben der Netzbetreiber soll das Vorhaben eine flächendeckende Versorgung auch in unterversorgten Gebieten erreichen, die Resilienz mobiler Netze erhöhen, kritische Kommunikation schützen und die Entwicklung einer europäischen Satellitenkonstellation unterstützen.

Zugang für alle Mobilfunknetzbetreiber

Alle Mobilfunknetzbetreiber in Europa sollen laut den Unternehmen einen offenen und diskriminierungsfreien Zugang erhalten, um ihren Kundinnen und Kunden D2D-Dienste anbieten zu können. Das Modell solle den Wettbewerb fördern, die Marktfragmentierung verringern und die Auswahl für Verbraucher in ganz Europa stärken.

Keine Beteiligung an Satellitenkonstellation

Die vier Unternehmen planen, zentrale Infrastrukturen am Boden sowie wichtige Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen in Europa aufzubauen. Sie wollen sich aber nicht direkt an einer Satellitenkonstellation beteiligen. Diese solle ein noch auszuwählender Satellitenpartner bereitstellen.
 
Ihre große Kundenreichweite, ihre Netzkapazitäten und ihre technische Expertise könnten nach Einschätzung der Netzbetreiber die Markteinführung beschleunigen, eine effiziente Frequenznutzung ermöglichen und die nahtlose Integration von Satellitenverbindungen in bestehende Mobilfunknetze erleichtern. Eine Partnerschaft mit einem Satellitenbetreiber würde laut den Unternehmen europäische Kontrolle und Marktzugang mit bewährter Satellitentechnologie und Erfahrung beim Aufbau solcher Systeme verbinden.
 
Die Absichtserklärung ersetzt keine bestehenden Satellitenpartnerschaften der Unternehmen.

Um welche Frequenzen geht es?

Das 2-GHz-MSS-Band umfasst 1.980–2.010 MHz (Erde zu Satellit) und 2.170–2.200 MHz (Satellit zu Erde) – insgesamt 2 × 30 MHz. Es ist EU-weit für Satellitenmobilfunk (Mobile Satellite Services, MSS) harmonisiert und wird derzeit exklusiv von Viasat und EchoStar genutzt.

Das Band eignet sich besonders für Satellitenverbindungen direkt zu handelsüblichen Endgeräten, da es gute Ausbreitungseigenschaften hat und nahe an terrestrischen Mobilfunkbändern liegt, was die Integration in Smartphone-Chips erleichtert.

Laut Informationen des Europäischen Parlaments ist ein Drittel des Bands für staatliche Nutzung durch einen EU-Betreiber vorgesehen und mit der EU-Satellitenkonstellation IRIS² zusammenarbeiten.
 
Zwei Drittel sind für kommerzielle Anwendungen vorgesehen. Innerhalb des kommerziellen Teils sollen die Frequenzen jeweils zur Hälfte für neue EU-Anbieter und für Anbieter aus der EU sowie Drittländern reserviert werden; das soll mehr Anbietervielfalt und europäische Markteintritte fördern.
 
Die Lizenzen werden ab Mai 2027 frei, die politische und rechtliche Regelung für die Folgenutzung ist aber noch nicht abgeschlossen.
 

Weitere Webseiten