(v. l.) Wolfgang Heer, Geschäftsführer der purtel Open Access GmbH, und Dr. Markus von Voss, Geschäftsführer der purtel.com GmbH (Foto: purtel)

Open Access

Neues Unternehmen von purtel soll Open Access voranbringen

Der White-Label-Telekommunikationsdienstleister purtel hat zum 1. Oktober 2026 sein Open-Access-Geschäft in die neue purtel Open Access GmbH mit Sitz in Oberkotzau überführt. Die Geschäftsführung übernimmt Wolfgang Heer, der zuvor fast 15 Jahre den Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS) geleitet hat. Das Unternehmen soll die Transaktionskosten bei der Vereinbarung von Wholesale und Wholebuy senken und an Open Access interessierte Marktakteure schneller zusammenbringen.

Geringe Auslastung als Branchenproblem

Die Auslastung der Glasfasernetze in Deutschland ist zu gering. Nur jedes vierte "Home Passed" ist auch ein "Home Activated". Von aktuell rund sieben Millionen Glasfaseranschlüssen sind laut purtel bislang weniger als zehn Prozent über Open Access realisiert worden. Darin sieht das Unternehmen Potenzial für eine höhere Netzauslastung und eine bessere Amortisation der Netzinvestitionen.

Dr. Markus von Voss, Geschäftsführer der purtel.com GmbH, sagt: "Seit zehn Jahren wird Open Access in der Branche technisch, prozessual und kommerziell diskutiert, ohne nennenswerten Erfolg. Dabei ist die Öffnung der Netze keine Frage des rechtlichen Müssens. Sie ist der einzige Weg, die Netze voll zu bekommen."

Laut von Voss hat selbst die Deutsche Telekom in ihren DSL-Netzen im Schnitt nur in rund 40 Prozent der Fälle eine direkte Endkundenbeziehung, alle übrigen Anschlüsse laufen über Wiederverkäufer. Für Glasfasernetze gelte: "Glasfasernetze refinanzieren sich aber erst, wenn etwa zwei Drittel der Homes Passed aktiviert sind und monatliche Umsätze erzeugen. Alternative Netzbetreiber gewinnen unter eigener Marke im Schnitt rund ein Drittel. Das zweite Drittel erreichen nur andere Vermarkter. Wholesale und Retail machen die Netze also gemeinsam voll."

Heer bringt langjährige Erfahrung mit Open Access mit

Heer unterstützte als BUGLAS-Geschäftsführer ab 2011 die Arbeit des Arbeitskreises S/PRI, der heute AK Schnittstellen und Prozesse heißt. Unter seiner Leitung vereinbarte der BUGLAS für seine Mitglieder Open-Access-Rahmenverträge mit 1&1 und Telefónica. Außerdem initiierte Heer die Zusammenarbeit von Branchenunternehmen auf Inhouse-Netzen. Von 2022 bis 2025 leitete er die Projektgruppe Open Access des Gigabitforums der Bundesnetzagentur, die im Branchenkonsens unter anderem eine Open-Access-Checkliste erarbeitete.

Der 61-jährige Diplom-Volkswirt arbeitete nach seinem Studium als Referent im Deutschen Bundestag, als Pressesprecher im damaligen BMBF sowie in einer PR-Agentur. Anschließend war er als Marketingleiter in der IT-Branche, als Pressesprecher des VATM, als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Organisation und schließlich beim BUGLAS tätig.

Transaktionskosten als Hürde

Heer sagt zu seiner neuen Aufgabe: "Die Erhöhung der Auslastung von Glasfasernetzen über Open Access ist ein, wenn nicht der zentrale Hebel zur Beschleunigung des Netzausbaus in Deutschland. Netzinvestitionen können schneller amortisiert, knappe Ressourcen effizienter eingesetzt und die Auswahl für Endkunden bestmöglich erweitert werden. Hohe Transaktionskosten sind dabei jedoch für viele Marktteilnehmer eine erhebliche Hürde. Genau hier wollen wir wirkungsvoll mit der purtel Open Access GmbH ansetzen."

Von Voss ergänzt: "Mit Wolfgang Heer übergeben wir den Staffelstab an ein Urgestein des Open Access in Deutschland. Mit ihm richten wir den Open-Access-Ansatz von purtel neu aus."

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