V. l. n. r.: Martin Wachutka, Präsident der OFAA, Prof. Dr. Jens Böcker, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Autor der Marktstudie, die er am 11. November beim Austrian FiberSummit in Dornbirn vorstellt, und Herbert Flatscher, Vorsitzender des OFAA-Beirats (Foto: OFAA Jana Madzigon)

OFAA-Marktstudie

Österreich: 2,2 Mio. Glasfaseranschlüsse, 453.000 aktiv

Die Open Fiber Austria (OFAA) hat am 4. November 2026 in Wien ihre Marktstudie 2026 vorgestellt. Danach ist Glasfaser bis ins Gebäude oder in die Wohnung für rund 2,2 Millionen Haushalte und Unternehmen in Österreich verfügbar, rund 453.000 nutzen einen FTTH-Anschluss aktiv. Erstmals befragt die Studie auch Internetanbieter zu Open Access und Wettbewerb.
 
Verbandspräsident Martin Wachutka sieht in der Frage, welche Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Vermarktung offener Netze fördern die nächste Aufgabe für den Markt: "Jetzt müssen wir diese Anschlüsse füllen – und die Erfahrung sagt: Wer einmal Glasfaser hat, gibt sie nicht mehr her. Dafür brauchen wir offene Netze, starke Internetanbieter und Regeln, die Wettbewerb und Wahlfreiheit sichern."

Verfügbarkeit steigt, Nutzung wächst

Studienautor Prof. Dr. Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg analysierte den österreichischen Telekommunikationsmarkt bis Ende 2025. Er stützte sich unter anderem auf Daten von RTR, Statistik Austria und Breitbandatlas. Markt- und Branchenexperten haben die Ergebnisse nach Verbandsangaben validiert.
 
Die FTTB/H-Verfügbarkeit stieg demnach innerhalb eines Jahres von 40 auf 46 Prozent. Die Zahl der verfügbaren Anschlüsse wuchs um rund 300.000. Die aktiven Glasfaseranschlüsse legten um rund 80.000 oder 21 Prozent zu, nach Verbandsangaben stärker als bei jeder anderen Festnetztechnologie. Mobile Cubes sind mit 37,9 Prozent weiterhin die meistgenutzte Breitbandtechnologie.

Nutzung auf dem Land am höchsten

Die Take-up-Rate gibt an, wie viele der verfügbaren Anschlüsse tatsächlich genutzt werden. Sie liegt im ländlichen Raum bei 34,9 Prozent, in kleineren Städten und Vororten bei 21,3 Prozent und in Städten bei 12,7 Prozent. Böcker: "Bei der Nutzung von Glasfaser existiert in Österreich ein 'Land-Stadt-Gefälle' – auf dem Land ist mehr als jeder dritte Anschluss aktiv, in den Städten nur etwa jeder achte." Böcker geht davon aus, dass die Akzeptanz in ganz Österreich spürbar steigen werde, weil der Bedarf an Bandbreite mit der Digitalisierung wachse.
 
Für Herbert Flatscher, Vorsitzender des OFAA-Beirats, fehlt vor allem das Bewusstsein für den Nutzen von Glasfaser: "[…] Glasfaser ist Daseinsvorsorge, und so müssen wir sie behandeln."

Open Access: Preise und Verhandlungsposition als Hürden

Nach Angaben der Studie laufen bereits 27 Prozent der aktiven FTTH-Anschlüsse über Open Access. Für 2030 rechnen die befragten Experten mit rund 42 Prozent. 68 Prozent der Befragten halten Open Access für die Zukunft ihres Unternehmens für eher oder sehr wichtig.
 
Als wichtigsten Erfolgsfaktor nennen 73 Prozent attraktive Einkaufskonditionen, also den Preis für den Netzzugang und die verbleibende Marge. 50 Prozent nennen eine hohe Netzqualität. Als größte Hürden gelten hohe Kosten und Preise, komplexe Verträge und administrativer Aufwand. 80 Prozent der Unternehmen, die Zugang zu fremden Glasfasernetzen einkaufen, bewerten ihre Verhandlungsposition gegenüber den Netzbetreibern als niedrig oder sehr niedrig.
 
Flatscher: "Ein Netz ist nicht offen, weil es technisch zugänglich ist – es ist offen, wenn ein Internetanbieter darauf auch wirtschaftlich arbeiten kann."

Förderung: Impuls für privaten Ausbau

Bis Mitte 2026 flossen in Österreich rund 2,2 Milliarden Euro Fördermittel in den Breitbandausbau, rund drei Viertel davon in Niederösterreich, die Steiermark und Oberösterreich. Rund 319.600 Anschlüsse wurden gefördert errichtet. In denselben Gebieten entstanden zusätzlich rund 1,18 Millionen eigenwirtschaftliche Anschlüsse. Laut einer in der Studie zitierten WIK-Analyse hat der geförderte Ausbau bereits mehr als 7,1 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen.
 
Wachutka: "Gezielte Förderung und eigenwirtschaftlicher Ausbau ergänzen einander. […] Fällt dieser Anstoß 2027 weg, gerät auch der private Folgeausbau ins Stocken. Deshalb muss die Förderung dort weitergehen, wo der Markt allein nicht trägt."

Forderungen an Politik und Branche

Für die nächste Phase nennt der Verband drei Schwerpunkte: mehr Nutzung bestehender Netze, funktionierende Open-Access-Strukturen und starke Internetanbieter. In Städten brauche es passende Ausbaustrategien, in Regionen ohne ausreichende eigenwirtschaftliche Perspektive weiterhin gezielte Förderung. 2027 will der Verband sichtbar machen, welche Netze offen sind und welche Anbieter dort verfügbar sind. Wachutka: "Heute weiß kaum ein Haushalt, ob sein Netz offen ist und welche Anbieter er dort wählen kann. […] Wahlfreiheit nützt nur, wenn man sie kennt."
 
Zudem fordert die OFAA eine gebündelte politische Zuständigkeit für Digitalisierung und die dafür nötige Infrastruktur auf Bundesebene. Wachutka: "[…] Digitalisierung darf nicht zwischen unterschiedlichen Ressorts verloren gehen. Wir brauchen einen Verantwortlichen, bei dem die Fäden zusammenlaufen und der die Entwicklung konsequent vorantreibt."

Austrian FiberSummit am 11. November in Dornbirn

Am 11. November 2026 veranstaltet die OFAA den Austrian FiberSummit in der Messe Dornbirn.Dort kommen rund 500 Experten und Entscheidungsträger aus Telekommunikation, Infrastruktur, Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammen. Unter dem Leitmotiv "Shaping Austria’s Full Fiber Future" stehen internationale Erfahrungen, der Breitbandgipfel Österreich, Open Access und die letzte Meile im Mittelpunkt. Böcker stellt dort die Marktstudie 2026 dem Branchenpublikum vor.
 
Information und Anmeldung: Austrian FiberSummit 2026
 
 

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