Diskussion um DAB+
VAUNET bezieht sich in seiner Argumentation auf folgende Zahlen:
"In Norwegen war im Juli 2018 die Zahl der Radiohörer so gering, wie seit Jahren nicht mehr. Nur 49,4 Prozent der Norweger hörten Radio. Zwischen 2014 und 2016 hatte der Höreranteil für die Radioprogramme noch zwischen 69,8 und 67,6 Prozent gelegen. Insbesondere die Radioprogramme des norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks verloren etliche Nutzer. Die Zahl der Hörer sank mit 1,47 Millionen erstmals seit langem unter die 1,5 Millionen-Schwelle. Der Höreranteil bei den fünf größten Radioprogrammen (NRK P1, NRK P2, NRK P3, P4 und Radio Norge) ist von Ende 2016 bis Anfang 2018 von 60,5 auf 43,6 Prozent gefallen."
Das Digitalradio Büro Deutschland hält dagegen und sagt: "Die in Presseberichten zuletzt kursierenden Aussagen nach einem drastischen Rückgang der Hörerzahlen nach der Umschaltung von UKW auf DAB+ sind unzutreffend." Dazu werden folgende Zahlen genannt:
"Die aktuellen Reichweiten (UKW 2017 im Vergleich zu DAB+ 2018) ergeben dieses Bild[1]:
Tagesreichweiten Radio insgesamt:
· Dezember 2017, mit UKW: 59,4 %
· April 2018, mit DAB+: 57,6 %
· Differenz Dezember 2017 auf Juni 2018: 1,8 %
· Juni 2017, mit UKW: 63,7 %
· Juni 2018, mit DAB+: 57,4 %
· Differenz Juni 2017 auf Juni 2018: 6,3 %
· Juli 2017, mit UKW: 56,7 %
· Juli 2018, mit DAB+: 49,4 %
· Differenz Juli 2017 auf Juli 2018: 7,3 %"
[1] Stand Juli, Quelle TNS
Das Digitalradio Büro Deutschland kommentiert die Zahlen: "Die Differenz der Gesamtreichweite beträgt nur 1,8 Prozentpunkte, vergleicht man den Dezember 2017 mit dem April 2018. UKW war in der bevölkerungsreichen Region Oslo im Dezember 2017 noch verfügbar; im April 2018 war der Umstieg auf DAB+ bereits erfolgt.
Während der Urlaubszeit sinkt die Hördauer auf allen Empfangswegen, das gilt für UKW und für DAB+ gleichermaßen. Vergleicht man den Juli 2017 mit Juli 2018 wird klar, dass viele Norweger vermutlich unterwegs waren und nicht etwa DAB+ den Rücken gekehrt haben."
Klaus Schunk, Vorsitzender des VAUNET-Fachbereiches Radio und Audiodienste, kommentiert: "Die Entwicklung überrascht uns nicht, im Gegenteil. Sie zeigt, dass eine technologische Veränderung den Verbrauchern nicht politisch verordnet werden kann. Die Politik kann auch nicht die Verbrennungsmotoren beim Automobil verbieten, weil sie ab morgen nur noch elektrogetriebene Fahrzeuge will. Und sie können auch nicht sagen, wir verbieten die Verbrennungsmotoren nicht, aber wir bauen die Tankstellen dazu ab. Das ist doch genau das, was wir gerade diskutieren, und so funktioniert eine Transformation mit mündigen Bürgern und Verbrauchern einfach nicht. Aus dem Grund spricht VAUNET sich gegen ein politisch gesetztes Abschaltdatum von der UKW-Verbreitung aus, das funktioniert schlichtweg nicht. Ein Wechsel von UKW zu DAB+ macht nur Sinn, wenn wenn die analoge Radionutzung tatsächlichen auf unter 10 % abgesunken ist. Nur dann können die privaten Radios auch wirtschaftlich überleben, weil sie ansonsten auf ihre UKW-Reichweiten angewiesen sind. Und wenn wir über die digitale Radiozukunft sprechen: Digitales Radio ist weit mehr als nur DAB+, die Hörer empfangen digitales Radio auch mobil über Apps oder über Webradioangebote, immer häufiger auch mit ihrem Smartphones. Radio ist also schon längst Multichannel, DAB+ stellt keineswegs die alleinige digitale Zukunft dar, im Gegenteil: Die tatsächliche Nutzung konzentriert sich bereits auf andere Empfangswege."
Claudia Boss-Teichmann 17.08.2018

