FRK: Kabelnetzbetreiber betonen Innovation
Wenige Tage nach der für alle Kabelnetzbetreiber wichtigen Entscheidung der EU-Kommission, die öffentliche DVB-T-Förderung zu stoppen, diskutierten knapp 900 Besucher aktuelle Trends im Kabelmarkt. Die Tagungsbesucher und Aussteller begrüßten den Schritt, den Kabelkongress in das neue Congress Center Leipzig (CCL) der Messe Leipzig zu verlegen.
Der vor 15 Jahren gegründete Verband ist vor allem in den vergangenen Jahren gewachsen und zählt derzeit 140 Mitgliedsunternehmen. Während der Ausstellung präsentierten 56 Unternehmen aktuelle Produkte und Dienstleistungen. Die Aufrüstung der Kabelnetze für die digitale Programmverbreitung sowie Telefonie und Internet steht im Mittelpunkt der Investitionspläne der mittelständischen Kabelnetzbetreiber.
Die wichtigen infrastruktur- und wettbewerbspolitischen Aufgaben des Mittelstandes betonte als Gastredner Dr. Wolfgang Gerhardt, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Angesichts der aktuellen politischen Weichenstellungen forderte Gerhardt eine „Mentalitätsänderung“ in der Gesellschaft, die die Leistungen selbständiger unternehmerischer Tätigkeit anerkennt und zu einer neuen „Lernkultur“ fähig ist. Gerhardt kritisch: „Wenn die Fähigkeit zur Erneuerung fehlt, dann geht die Mittelstandspolitik daneben.“
Die bedeutende Marktposition der unabhängigen mittelständischen Netzbetreiber und ihre Zukunftsperspektiven standen im Mittelpunkt aller Referate sowie der 15 Workshops und Forumveranstaltungen. Mit einem Marktanteil von 44,3 Prozent aller Kabelhaushalte, das sind 16, 4 Mio. angeschlossene Wohnungen, kommt den unabhängigen Netzebene 4-Unternehmen eine wichtige wettbewerbs- und kommunikationspolitische Aufgabe zu. „Das Kabelnetz bleibt der wichtigste Verbreitungsweg für die TV-Sender“, erklärte Ursula Adelt, Geschäftsführerin des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT). Sie reagierte damit auf Heinz-Peter Labonte, Stellvertretender Vorsitzender und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des FRK, der die TV-Sender aufforderte, ihre Digitalblockade aufzugeben und die digitalen Programmsignale auch im Kabel zu verbreiten. Die TV-Sender sehen, so Adelt, derzeit die Hürden für die digitale Kabelverbreitung in den Bestrebungen der Netzebene 3-Betreiber, in die Programmhoheit der TV-Unternehmen einzugreifen. Adelt zu der Diskussion um die Grundverschlüsselung der digitalen Kabelprogramme:„Das Eigentum am Programmsignal soll beim Sender bleiben, da ansonsten jeder Netzbetreiber die Programme nach Gutdünken verbreiten könne.“
Labonte warnte in seiner Rede vor der wachsenden Macht der großen Telekom-Kabelnetznachfolger wie Kabel Deutschland, ish, iesy und Kabel Baden-Württemberg. Dazu geselle sich nun noch die großkoalitionär geschützte Deutsche Telekom als DSL-Anbieter mit ihrem 3 Milliarden Euro - Programm. Sie formieren mit Hilfe der Großen Koalition aus großen Kapitalgesellschaften und dem größten US-Kabelunternehmer John Malone eine Zweiteilung des deutschen Kabelmarktes in eine Westschiene mit iesy, ish, Primacom und TeleColumbus sowie eine Ostschiene rund um die KDG. Bei ewt/BN ist offenbar noch nicht
entschieden, wer mehr bietet die Beauftragten der ost- oder der Westschiene oder gar Malones Beteiligungsgesellschaft Primacom. Nur die mittelständischen Netzbetreiber und die Wohnungswirtschaft können gegenüber diesem neuen Duopol den Wettbewerb für TV-Sender und die Kabelhaushalte sichern.
Die unabhängigen Kabelnetzbetreiber (UKNB) appellieren deswegen an die Urheberrechtsgesellschaften, die Regulierungsbehörde und die Programmanbieter, ihre, den Wettbewerb behindernden Positionen, zu überdenken und die Tarife unter 10 Prozent der Kabelgebühren auf ein realistisches Maß zu senken. Der FRK fordert für die unabhängigen Netzbetreiber die urheberrechtliche Gleichbehandlung aller Übertragungswege und erwartet, so Labonte „die Fortentwicklung der Urheberrechtsgebühren zu einer Infrastruktur unabhängigen Rundfunkgebühr für alle Übertragungswege wie Kabel, Satellit und Terrestrik.“
Die Ausbaupläne der Deutschen Telekom und ihre Forderung nach einer Freistellung von Regulierungsmaßnahmen wie sie für andere Telekommunikationsunternehmen gelten, wurden von den Gastrednern kritisiert. Demgegenüber betonten Wolfgang Schürmann von Astra, Martin Bilger von der WTC oder Claus Rath als Vertreter der Wohnungswirtschaft die Notwendigkeiten, vor Ort mit der Wohnungswirtschaft neue Projekte und Dienste mit dem digitalen Ausbau der Netze zu ermöglichen. Wolfgang Schürmann appellierte an den Handel, die offensive Vermarktung von einfachen Zapping-Boxen zu reduzieren und dafür leistungsstarke und zukunftsfähige Set Top Boxen mit offenen Schnittstellen zu unterstützen. Sie öffnen den Weg zu neuen digitalen Angeboten und machen das Kabel weiterhin attraktiv. Die im FRK zusammengeschlossenen knapp 150 Unternehmen, so betonte Labonte, sind bereit, den Kabelmarkt weiter zu entwickeln und damit 36.000 Arbeitsplätze im zukünftigen Kommunikationsmarkt in Deutschland zu sichern, indem sie die eigenen Netze auf 862 MHz aufrüsten und die Netze der internationalen Finanzinvestoren überbauen..
Wolfgang Posewang 20.11.2005

