
Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter will den Wettbewerbsdruck auf die Deutsche Telekom kräftig erhöhen. (Foto: Vodafone)
Vodafone will fusioniertes Fernsehkabelnetz für O2 öffnen
Vodfaone will das fusionierte Kabelnetz für den O2-Anbieter Telefónica Deutschland öffnen. Dies ist Teil eines Maßnahmenpakets, das Vodafone im Vorfeld der Entscheidung der EU-Kommission zur Übernahme von Unitymedia vorgeschlagen hat. Damit sollen Wettbewerbsbedenken ausgeräumt werden. Und der Wettbewerbsdruck auf die Deutsche Telekom erhöht werden.
Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter: "Mit der Übernahme von Unitymedia werden wir zum ersten, bundesweiten Infrastruktur-Wettbewerber der Telekom. Darüber hinaus öffnen wir unser Kabelnetz für einen weiteren, starken, bundesweiten Wettbewerber – die Telefónica Deutschland. Wir bieten unserem neuen Highspeed-Partner Geschwindigkeiten an, die schneller sind, als das schnellste VDSL-Angebot der Telekom. Zudem schaffen wir noch bessere Distributionswege für alle TV-Sender und machen sie so noch unabhängiger von unserem TV-Kabelnetz."
Geplante Übernahme schafft erstmals nationalen Infrastruktur-Wettbewerber gegen die Telekom
Mit der geplanten Übernahme der Unitymedia will Vodafone nach eigener Aussage den Wettbewerbsdruck im Markt deutlich erhöhen und erstmals neben der Telekom einen zweiten, bundesweiten Festnetz-Anbieter schmieden. Das damit wiedervereinte Kabelnetz will das Unternehmen in allen Bundesländern der Republik aufrüsten – und so bis 2022 schnelle und bezahlbare Gigabit-Anschlüsse für 25 Millionen Haushalte schaffen. Dafür will das Unternehmen in den nächsten Jahren rund 12 Mrd. Euro in das Kabelnet investieren.
Maßnahmenpaket richtet sich gegen Wettbewerbsbedenken
Das Maßnahmenpaket soll Bedenken gegen eine Verminderung des Wettbewerbs durch Vodafones DSL-Angebote im Unitymedia-Gebiet sowie Bedenken hinsichtlich möglicher Wettbewerbsbeschränkungen im Fernsehmarkt zerstreuen. Vodafone bereits zuvor erklärt, künftig keine Erhöhungen von sogenannten Einspeise-Entgelten vorzunehmen, die von den Sendern zu entrichten sind.
Maßnahme 1: Vodafone öffnet sein Kabelnetz für Telefónica. Allerdings sind die Höchstbandbreiten für Telefónica auf bis zu 300 Mbit/s im Download beschränkt. Der Kabel-Großhandelsvertrag ist langfristig ausgelegt, wobei sich Telefónica Deutschland verpflichtet, während der Vertragslaufzeit ein Mindestmaß an Kunden zu erreichen.
Maßnahme 2: Die zweite Maßnahme im Wettbewerbs-Paket fokussiert auf den Fernsehmarkt. Klar ist: Der Zuschauertrend geht in Richtung online. Mit dem Gigabit-Ausbau und der Partnerschaft mit Telefónica schafft Vodafone die Grundlage für eine schnellere und bessere TV-Verbreitung sowie für neue Distributions-Möglichkeiten für die Sender. Mit ihren TV-Angeboten übers Internet können Sender Kundenbeziehungen damit völlig unabhängig von Vodafone und seiner TV-Plattform eingehen.
Damit die Fernsehsender von dieser Entwicklung profitieren können, verpflichtet sich Vodafone, Sendern die Verbreitung ihrer Inhalte im Internet nicht einzuschränken und die Netzübergänge so zu gestalten, dass ausreichende Übertragungungs-Kapazität über das Internet vorhanden ist.
Maßnahmenpakt steht unter Vorbehalt der Übergabegenehmigung
Das Paket der Abhilfemaßnahmen einschließlich des Kabel-Großhandelsvertrags steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung der Übernahme durch die EU-Kommission. Diese wird das Paket nun einem Markttest unterziehen, der voraussichtlich im Mai 2019 abgeschlossen sein wird. Vodafone geht davon aus, dass die Europäische Kommission ihre Entscheidung über die Transaktion bis Juli 2019 treffen wird.
Claudia Boss-Teichmann 08.05.2019

