Übernahme von UPC Schweiz durch Sunrise weiter ungewiss - Liberty Global will sich mit 500 Millionen Schweizer Franken beteiligen
15.09.2019 - Eine Woche vor der außerordentlichen Generalversammlung der Aktionäre des Telekommunikationsunternehmens Sunrise am 23. Oktober ist die Übernahme der UPC Switzerland weiterhin ungewiss. Liberty Global will die Übernahme seiner Tochtergesellschaft UPC Switzerland durch Sunrise zu retten. Daher beteiligt sich Liberty Global an der Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Geschäfts und wird Aktionär des zusammengeschlossenen Unternehmens.
Liberty Global hat mit Sunrise vereinbart, das Sunrise-Bezugsrechtsangebot bis zu einem Gesamtbetrag von 500 Millionen Schweizer Franken (455 Millionen Euro) durch den Kauf von handelbaren Bezugsrechten zu Marktpreisen und den anschließenden Kauf von gegebenenfalls neu ausgegebenen Aktien im Rahmen des Bezugsrechtsangebots zu unterstützen. Das Unternehmen würde damit fast acht Prozent von Sunrise erwerben. Die Schweizer netzwoche bewertet diesen Schritt wie folgt: "Damit stellt sich der Besitzer von UPC im Übernahmemachtkampf um den Kabelnetzbetreiber auf die Seite von Sunrise."
Es bleibt jedoch ungewiss, ob der Deal zustande kommt. Der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS hat sich gegen eine UPC-Übernahme durch Sunrise ausgesprochen. Der größte Einzelaktionär von Sunrise, der deutsche Medienkonzern Freenet, bleibt bei seinem Widerspruch.
Die Übernahme von UPC Switzerland setzt voraus, dass die Mehrheit der Sunrise-Aktionäre der Kapitalerhöhung an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 23. Oktober 2019 zustimmt.
Genehmigung der Übernahme durch die Wettbewerbskommission und scharfe Kritik daran
Am 26. September hatte die Schweizer Wettbewerbskommission WEKO die Übernahme von UPC durch Sunrise genehemigt. Die Behörde hatte dazu mitgeteilt, sie habe den Deal im Hinblick auf eine mögliche gemeinsame Marktbeherrschung mit Swisscom eingehend geprüft. Eine solche sei nicht gegeben und eine Koordination zwischen den beiden Unternehmen unwahrscheinlich, da Sunrise/UPC und Swisscom unterschiedlich aufgestellt seien. Die WEKO erwarte durch die Übernahme eine Belebung des Wettbewerbs.
Der Schweizer Konsumentenschutz dagegen kritisierte diese Entscheidung und bezeichnet sie als "absurd". Er befürchtet ein Duopol auf dem Telekommarkt, da der Mitbewerber Salt - der drittgrößte Telekommunikationsanbieter in der Schweiz - nicht mehr in der Lage wäre, mit Sunrise und Swisscom zu konkurrieren. "Somit werden zwei grosse Player den Telekommarkt in der Schweiz untereinander gütlich aufteilen – wie dies bereits im Detailhandel der Fall ist", heißt es in der Stellungnahme.
Mit UPC würde Sunrise eigenes Kabelnetz erwerben
Sunrise und UPC sind zwei der grössten Telekommunikationsanbieterinnen der Schweiz. Historisch gesehen ist Sunrise eine Mobilfunknetzbetreiberin und UPC eine Kabelnetzbetreiberin. Mit der Übernahme von UPC erwirbt Sunrise ein eigenes Kabelnetz. Damit will Sunrise Festnetz-, Breitbandinternet- und Mobilfunkleistungen sowie digitales Fernsehen auf der eigenen Infrastruktur in der Schweiz anbieten. Mit der Übernahme sollen eine grössere Unabhängigkeit von Swisscom erreicht und Umsatz- und Kostensynergien realisiert werden.
Claudia Boss-Teichmann 16.10.2019

