
Torsten J. Gerpott bezweifelt, dass "Gigabit-Voucher" die Nachfrage nach breitbandigen Anschlüssen wesentlich erhöhen (Symbolbild Glasfaserkabel; Foto: Deutsche Telekom)
Wirtschaftsprofessor Gerpott bezweifelt, dass Gigabit-Voucher Nachfrage wesentlich erhöhen
07.01.2019 - "Gigabit-Voucher" werden von der Monopolkommission und von Wirtschaftsverbänden als geeignetes Mittel befürwortet, um in Deutschland die Nachfrage von Privathaushalten und kleineren und mittleren Unternehmen nach Gigabit-Anschlüssen anzukurbeln. Unter Vouchern wird dabei ein einmaliger, von der öffentlichen Hand finanzierter Förderbetrag von meist höchstens 500 Euro verstanden.
Nur schwache Wirkung auf Nachfrage
Empirische Studien würden belegen, dass "der Absatz von Breitband-Anschlüssen an Privathaushalte auf Preisveränderungen nur unterproportional reagiert." Wenn die Wirkung auf die Nachfrage schwach sei, würde dies die Netzbetreiber auch nicht zu verstärktem Ausbau motivieren.
Die Wirtschaftlichkeit beim Glasfaserausbau ließe sich laut Gerpott weitaus besser dadurch erhöhen, wenn zusätzliche Finanzmittel den Kommunen über die bereits bestehende Förderbürokratie zuflössen, indem "Nachfrageaspekte in etablierte angebotsseitige Subventionsprogramme" integriert würden.
Kritik an zu hohen Preisen für Gigabit-Anschlüsse
Gerpott kritisiert außerdem die Preispolitik der Netzbetreiber: Sie sollten von "allzu ambitionierten Profitabilitätszielen Abstand nehmen" - sprich: die Kosten für die Gigabit-Anschlüsse senken, die für Privatkunden meist zwischen 90 bis 130 Euro monatlich betragen. Durch Veränderungen staatlicher Bauvorschriften und Digitalisierung von Baugenehmigungsprozessen könne der Ausbau trotzdem wirtschaftlich bleiben.
Nicht zuletzt sollte die Medienbranche durch "attraktive Anwendungen" dafür sorgen, dass sich die Nutzer aus Begeisterung für bandbreitenintensive Anwendungen für Gigabit-Anschlüsse entscheiden.
Claudia Boss-Teichmann 07.01.2020

