
Matthias Künsken ist Geschäftsführer der Seloca GmbH (Foto: Frank Molter)
Seloca: Refurbishment für die Telekommunikations- und Netzwirtschaft
12.03.2020 - Die aktuelle Diskussion über den Klimawandel, Folgen und notwendige Maßnahmen geht quer durch alle Bereiche. Best Practises für Umweltschutz und den schonenden Umgang mit Ressourcen gibt es auch in der Telekommunikations-branche. Cable!vision Europe sprach mit Matthias Künsken, Geschäftsführer der Seloca GmbH in Kiel, die Telekommuni-kationsanbieter dabei unterstützt, Kosten zu sparen und Ressourcen zu schonen.
Matthias Künsken: Heute sind Nachhaltigkeit und Profitabilität zwei Seiten derselben Medaille. Seloca hat dies erkannt und wurde 2015 von Top-Managern aus den Bereichen Logistik, After Sales, Kundenservice, Refurbishment und Repair gegründet. Damit sind alle Experten in einem Unternehmen vereint, um Nachhaltigkeit im Markt der Telekommunikations- und Netzwirtschaft zu etablieren.
Gerade im Bereich Refurbishment kann man mit einfachen Mitteln ressourcenschonend Geräte in den Kreislauf bringen und Kosten reduzieren. Damit decken wir einen zentralen Bedarf: So stieg in 2019 die Zahl der Fritzboxen, die unsere Service-Prozesse durchlaufen, erstmals auf die Rekordmarke von 300.000. Tendenz weiter steigend. Unser Kundenstamm ist mittlerweile auf 40 Partner angewachsen. Wir sind mithin auf Kurs.
In der Tat, die Relevanz des Themas steigt in der Telekommunikations- und Netzwirtschaft. Wir sind ein klein wenig stolz, dieses Thema als Agenda-Setter in unsere Kernmärkte eingebracht und zu einer Erfolgsstory geführt zu haben. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg müssen sich nicht ausschließen.
Zu unseren Kunden gehören u. a. 1&1, wilhelm.tel, inexio, Stiegeler IT, DNS:NET und Wemacom sowie zahlreiche Stadtwerke. Wir sorgen für Entlastung und enormes Einsparpotenzial durch zentrales Refurbishing und logistische Services. Meist haben unsere Kunden dabei stets identische Anforderungen: Neue oder refurbishte Router sollen für eine einfache Installation vorkonfiguriert an die Kunden versandt werden. So kann z. B. der Einsatz eines Vorort-Technikers vermieden werden.
Bei Konfiguration von Neuware durch Seloca lassen die Provider ihre Geräte gleich durch uns an die Endkunden versenden. Dieses spart Transportkosten. Zudem können Wünsche wie z.B. das Beilegen von Marketingmaterialien, erledigt werden.
Last but not least spielen Retouren-Bearbeitung und Refurbishment eine zentrale Rolle. Hier entscheiden die Netzbetreiber selbst, welcher Grad der Nachhaltigkeit erreicht werden soll, z. B. hinsichtlich Toleranz bei optischer Betrachtung, Einsatz von recycelter Verpackung oder Verwendung von gebrauchtem Zubehör. Das ressourcenschonende Refurbishment des gelieferten Gerätes kann dann auch zum Marketing genutzt werden. Manche Kunden geben den Preisvorteil an ihre Endkunden weiter. Der Umweltschutz macht sich im Portemonnaie bemerkbar.

Ein technischer Funktionstest steht am Anfang des Refurbishments (Foto: Frank Molter)
Seloca ist Teil der Kreislaufwirtschaft. Wer gehört dazu und wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
In der Zwischenzeit haben auch die Hersteller von Hardware erkannt, dass nicht allein das Produkt ausschlaggebend für die Kaufentscheidung des Netzbetreibers oder Providers ist. Unter anderem ist es für die Provider, also den Käufer, auch wichtig, was mit den Geräten im Fall einer Kündigung, eines Widerrufs oder einer Reklamation passiert.
Grundsätzlich gilt: Je länger ich ein Produkt am Leben halte, desto mehr schone ich die Umwelt und desto weniger Neuware muss ich einkaufen. Wenn also die Hersteller bereits Refurbishment-Konzepte anbieten können, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber. Aus diesem Grund bekommt die Seloca auch immer mehr Anfragen, meist von Herstellern, die keine Ressourcen für derartige Themen vorhalten können.
Seloca ist ein kleines, erfolgreiches Glied dieser Kette und handelt ebenfalls entsprechend. So konnten wir die CO2-Einsparung von 26,1 Tonnen (2018) auf 78,2 Tonnen (2019) vorantreiben. Wir hoffen, in puncto Green IT vorankommen. Denn es gibt keine zweite Erde.
Das Interview mit Matthias Künsken ist in der letzten Ausgabe von Cable!vision Europe (1/2020) erschienen.
Claudia Boss-Teichmann 12.03.2020

